18 Mitarbeiter, mehr als 1000 Beratungen im Jahr. Die Familien- und Erziehungsberatung des Paritätischen Sozialwerks in Wernigerode ist eine Erfolgsgeschichte. Maßgeblich mitgeschrieben wurde diese von Hanna Berthold. Sie wurde am Mittwoch in den Ruhestand verabschiedet.

Wernigerode l Eigentlich wollte sie ja keinen großen Bahnhof. Aber wer mehr als 20 Jahre lang eine Institution derart prägt, wie Hanna Berthold es getan hat, der darf nicht still und leise in den Ruhestand verschwinden. Und so war es dann doch eine größere Runde, die sich am Mittwochabend in der Aula der Pestalozzischule traf. Kollegen, Vorgesetzte, Kooperationspartner und Wegbegleiter - sie alle ließen es sich nicht nehmen, die langjährige Leiterin der Wernigeröder Familien- und Erziehungsberatungsstelle in den Ruhestand zu verabschieden. Der doch wohl eher ein "Unruhestand" wird, wie einige der Redner mit einem Augenzwinkern anmerkten - offenbar kennen sie die 65-Jährige gut genug, um zu wissen, dass Nichtstun keine Option für die frischgebackene Rentnerin ist.

Andrick Krüger, Geschäftsführer im Paritätischen Gesamtverband, würdigte den "unbändigen Optimismus",von Hanna Berthold, insbesondere, wenn es um die nicht immer gesicherte Finanzierung der Beratungsstelle ging.

Gabriele Girke vom Landesverband nannte Berthold eine engagierte Beraterin, die stets freundlich und charismatisch war, aber auch deutliche Worte finden konnte. "Es wird im Verband ein Name bleiben, an den sich viele erinnern."

Hanna Berthold bedankte sich nicht nur für die fachliche Kompetenz ihrer langjährigen Mitarbeiter. Ausgezeichnet habe die Beratungsstelle vor allem, "dass wir ein Team ohne Grabenkämpfe sind".

Hanna Berthold kam eher durch Zufall zu ihrem Job. Ursprünglich war sie bei der Kirche als Gemeindepädagogin angestellt. Parallel dazu hatte sie eine therapeutische Ausbildung begonnen und fand Gefallen an der Paar- und Familienberatung. Also kündigte sie Anfang 1991 ihren Job bei der Kirche und fing, zunächst in einer Arbeitsbeschaffungsmaßnahme, beim Paritätischen Wohlfahrtsverband an. Damals schon mit dem Ziel, in Wernigerode eine Beratungsstelle aufzubauen. Und wie genau funktioniert das? "Man guckt nach fähigen Leuten."

Wie es scheint, hat Hanna Berthold welche gefunden. Angefangen hat die Beratungsarbeit mit vier Mitarbeitern in einer kleinen Dachstube an der Steingrube. Mittlerweile ist das Team auf 18 Köpfe angewachsen. Es gibt zwei Beratungsstellen, eine in der Wernigeröder Forckestraße17 und eine in der Blankenburger Albrechtstraße 2. Das Aufgabenspektrum hat sich über die Jahre nicht geändert. Angeboten wird neben der Paar- und Familienberatung auch eine Schwangerenberatung.

Die Probleme aber, mit denen Berthold und ihre Kollegen konfrontiert werden, haben sich in den zurückliegenden Jahren durchaus gewandelt. Heute geht es vor allem um Mediation bei Scheidungen, um die Besuchsrechte von Kindern bei geschiedenen Eltern und zunehmend um junge Mütter und Väter, denen erst einmal ein positives Elternbild vermittelt werden muss. Neben dieser Beratungstätigkeit bietet das Paritätische Sozialwerk, so nennt sich der Verband heute, auch Familienhilfe und Sozialarbeit an.

Hanna Berthold war immer mittendrin. Wenn ihr die Verwaltungsarbeit die Zeit dafür ließ, war sie selbst in der Beratung tätig. "Das war mir immer sehr wichtig." Gut 400Erziehungsberatungen und bis zu 800 Schwangerschaftsberatungen bietet das Paritätische Sozialwerk jährlich an. Die Klienten kommen überwiegend aus dem Altkreis Wernigerode, aber auch aus der Nachbarschaft. Berthold kann verstehen, dass einige nicht in ihrer Heimatstadt zur Beratung gehen: "Manche wollen ja auch anonym sein."

Für Hanna Berthold ist das jetzt Vergangenheit. Fast. Denn an die Worte ihrer Nachfolgerin Isabel Konrad beim Abschied wird sie sich noch erinnern: "Hanna, unsere Türen stehen dir immer offen." Die Frage ist nur, ob sie überhaupt Zeit für Kaffee und gemütlichen Plausch mit ihren Ex-Kollegen haben wird. Mit ihren Kindern und Enkeln wird sie in Wernigerode gemeinsam ein Haus beziehen. Auch da dürfte ihr Rat oft genug gefragt sein.