Seit knapp zehn Jahren trägt der Blankenburger Jürgen Bauch historische Rundfunkempfänger aus aller Welt zusammen. Inzwischen ist seine ausstellungsreife Sammlung auf annähernd 400 Geräte angewachsen, von denen ein Großteil noch immer mit wenigen Handgriffen funktionstüchtig gemacht werden kann.

Blankenburg l Wenn Jürgen Bauch in sein kleines Reich einlädt, dann schlagen die Herzen der Geschichtsfreunde höher. Der Blankenburger Reifenhändler hat ein ganz besonderes Hobby: Er sammelt historische Radios. Die meisten Geräte entstammen US-amerikanischer Produktion und wurden seit den 1920er Jahren hergestellt. In dieser Woche hatte sich der Geschichtsverein Blankenburg um den früheren Lehrer Manfred Funk zu einem kleinen Fachvortrag in seinen Ausstellungsräumen angemeldet. Und die Besucher waren begeistert. Einige von ihnen brachten sogar noch das eine oder andere Exemplar für die Erweiterung der Ausstellung als kleines Geschenk mit.

Während eines Vortrags von Jürgen Bauch vor etwa einem Jahr war das Interesse bei den Hobby-Historikern geweckt worden. Nun folgten sie gespannt den Ausführungen des Sammlers, der bereits während seiner Schul- und späteren Studienzeit im Fach Elektronik großes Interesse an der Rundfunktechnik hatte. "Als Schüler bauten wir uns beispielsweise in Magdeburg schon kleine Detektorempfänger, die sogar ganz ohne Stromversorgung funktionierten." Mit ihnen konnte man problemlos den unweit von Burg stehenden "Deutschen Freiheitssender 904" oder den ebenfalls von dort kommenden "Deutschen Soldatensender" (angeblich westliche Radiostationen mit heißer Rockmusik) über Kopfhörer empfangen. Die Sendeantennen dort verfügten über ein solch starkes Signal, dass ein primitiver Detektor als Empfänger ausreichte. Auch ein solches kleines Gerät befindet sich in der Sammlung des Blankenburgers.

"Mein ganzer Stolz sind aber die ersten batteriebetriebenen Kofferradios wie beispielsweise der ,Deutsche Olympia-Koffer` von 1937, den die Firma Braun für 170 Reichsmark schon zu den Olympischen Spielen in Berlin anbot, oder die amerikanischen Autoradios", sagt der Blankenburger, als er durch seine Präsentation führt. Das älteste darunter stammt aus den 1920er Jahren und war einst in einen Ford-Straßenkreuzer eingebaut. Beeindruckend ist auch ein "Breadword"-Radio aus den USA von 1924, bei dem die Röhren und alles weitere für die Bedienung einfach nebeneinander auf einem Holzbrett montiert sind.

Geräte aus DDR-Produktion, sowjetischer oder tschechischer Herkunft vervollständigen die Ausstellung. Darunter ein paar "Kosmos"-Taschenempfänger. Und das legendäre "Sternchen", für das es einst meist nur unter dem Ladentisch die Neun-Volt-Batterie zu kaufen gab. Immerhin - zur Not auch mit zwei ersatzweise angebastelten Flachbatterien betriebsbereit - war am äußersten Skalenende der Mittelwelle sogar Radio Luxemburg oder der Saarländische Rundfunk zu empfangen.

Wer mehr über den Rundfunktechniksammler erfahren möchte, der auch Mitglied in der Internet Radio-Vereinigung und in der Gesellschaft für Freunde historischer Funktechnik ist, kann dies auch im Internet tun.

Interessenten für einen Ausstellungsbesuch können gern einen Termin mit Jürgen Bauch unter der Telefonnummer (0 39 44) 98 01 13 vereinbaren. Mehr Infos gibt es auch im Internet unter der Homepage www.radiomuseum.org.

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