Wernigerode l Karierte Schirmmützen, eine Brille, ein Kriminalroman und jede Menge Ladekabel - diese Dinge haben die Gäste im Hotel Am Anger in letzter Zeit zurückgelassen, berichtet Chefin Kerstin Nagy. Dass Leute etwas liegen lassen, passiert häufiger als dass sie Dinge mitnehmen - obwohl die Umfrage eines Internet-Reiseportals unlängst ergab, dass viele bei Hotelaufenthalten Gegenstände stibitzen. "Was den Schwund betrifft, haben wir wenig bis gar keine Probleme", sagt die Hotelchefin. Ihr Haus habe eine überschaubare Größe. "Wir wissen, wer wo wohnt." Hin und wieder fragen Gäste nach Andenken, etwa Tassen mit dem Hotellogo. Die gebe sie dann kostenfrei ab. "Das ist für uns eine schöne Werbung", so Kerstin Nagy.

Im Gothischen Haus am Wernigeröder Markt werden zum Beispiel Handtücher und Produkte aus der hoteleigenen Pflegeserie offensiv vermarktet. "Wir geben unseren Gästen die Möglichkeit, diese Dinge, die es anderswo nicht gibt, zu kaufen", erklärt Hoteldirektorin Antje Märker. Das Angebot werde gern genutzt. "Vor Diebstahl ist man aber nie gefeit."

Das bestätigt Kathi Richter vom Harzer Kultur- und Kongresshotel (HKK). "Dass Gäste etwas mitnehmen, passiert jedoch selten", sagt die Hausdame. Mal verschwinde ein Badetuch oder eine Ledermappe mit Briefbögen und Prospekten, doch das sei die Ausnahme. Die Shampooflaschen seien in den Duschen befestigt. Doch auf Anfrage erhalten Gäste das Produkt zum Mitnehmen, so Kathi Richter.

Häufiger geschehe es, dass Gegenstände liegenbleiben. Dafür haben die HKK-Mitarbeiter ein regelrechtes Fundbüro eingerichtet. Nach Monaten sortiert werden die Gegenstände aufbewahrt, ein Jahr bleiben sie im Haus. "Was sehr oft liegen bleibt, sind Regenschirme und Ladekabel", sagt Kathi Richter. Doch auch Kleidung und Kinderspielzeug werden in Hotelzimmern gefunden.

Manchmal sind die Dinge, die Hotelgäste vergessen, sogar richtig wertvoll und wichtig. "Haustürschlüssel, Portemonnaies, Eheringe", zählt Alexandra Voigt auf - all dies haben die Chefin des Silstedter Hotels Blocksberg und ihre Mitarbeiter bereits auf den Zimmern gefunden und nachgeschickt. Meist seien es kleine Gegenstände, wie etwa Schmuck. Auch wenn etwas wegkommt, sind es keine großen Dinge. "Die Fernseher sind alle noch da", sagt Alexandra Voigt. Manchmal fehlen im Restaurant Teile der Weihnachts- oder Osterdeko, berichtet die Hotelchefin. Doch geöffnete Shampoo- und Duschgelflaschen dürfen die Gäste ausdrücklich einpacken.

Dass Dinge verschwinden, erleben die Mitarbeiter des Hotels "Weißer Hirsch" ebenfalls selten. In dem Haus am Marktplatz werden unter anderem Handtücher, Bademäntel und Lunchrucksäcke mit dem Hotellogo bedruckt. Gäste können diese als Andenken kaufen, sagt Geschäftsführer Christian Wieland. Vergesslich sind mitunter aber auch seine Hotelgäste. "Grundsätzlich wird alles aufgehoben", sagt Christian Wieland. Nach sechs Monaten wandern die Gegenstände ins Fundbüro. "Wir haben aber viele Stammgäste, denen wir ihre Sachen nachschicken." Und wer bei der Anreise seine Zahnbürste vergessen hat, erhält an der Rezeption kostenlos Ersatz.

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