Wernigerode (ksö) l Siegfried Siegel schaut nachdenklich, als der letzte Laudator das Pult verlässt. "Vieles hatte ich gar nicht mehr in Erinnerung", so der Wernigeröder. Am Montagabend erhielt er im Martin-Luther-Saal den Bürgerpreis der Hospitälerstiftung 2014. "Du bist in diesem Jahr genau der richtige Preisträger", sagte Oberbürgermeister Peter Gaffert (parteilos), als er Siegel die gläserne Statue überreichte.

25 Jahre nach Mauerfall und Wende würdigte er, dass Siegel in der Wendezeit in Wernigerode "ganz besondere Akzente in verschiedenen Bereichen der Gesellschaft gesetzt" habe. "Siegfried Siegel verkörpert für mich das Prinzip ,Es gibt nichts Gutes, außer man tut es`," betonte Ludwig Hoffmann in seiner Laudatio.

Vorsitzender des Gemeindekirchenrats und der Kreissynode, Stadtrat, Betriebsratsvorsitzender, engagierter Bergretter, Lesehelfer: Hoffmann braucht mehrere Minuten, um Siegels Ehrenämter aufzuzählen. "Und das ist nur ein Auszug." Der ehemalige Oberbürgermeister, SPD-Parteifreund Siegels und langjähriger Weggefährte Hoffmann blickte humorvoll auf Siegel als einen ordnungs- und gerechtigkeitsliebenden Glaubensmenschen, dem die Familie über alles geht, der sich an jede Stadtratsvorlage erinnert und Autoritäten grundsätzlich in Frage stellt. "Jeder Oberbürgermeister Wernigerodes nach 1990 weiß, wie schmerzhaft dieses Hinterfragen sein kann", so Hoffmann.

Siegel revanchierte sich mit einem eigenen Rückblick auf frühere, mitunter wilde Zeiten - auf die Aufmüpfigkeit der Blumenkinder und Ärger mit der Polizei. "Wir hatten damals nur die Freiheit des Wortes, mehr nicht." Wernigerode habe eine gute Entwicklung genommen, sagte der Preisträger. "Wir dürfen in einer tollen Stadt leben. Hier ist vieles gut geworden."