In den weiß verhüllten Vogelkäfigen ist es nachgewiesen sieben mal heller als im Büro nötig, und die Finkenliebhaberei im Harz ist national als Kulturerbe anerkannt. Das geht aus der neusten, jetzt vorgelegten 3. Auflage des Heimatbuches "Buchfink und Mensch" hervor.

Benneckenstein l Pünktlich vor dem Start in die neue Saison der Finkenwettstreite haben die Buchfinkengilde Harz sowie der Kultur- und Heimatverein Benneckenstein und Unterstützer eine erweiterte Geschichte des Harzer Brauchtums der Finkerei vorgelegt. "Buchfink und Mensch", so der ausgreifende Titel, liegt damit in dritter Auflage vor.

Neu daran ist gleich auf dem Titel das Logo der Deutschen Unesco-Kommission. Sie hat die Finkenliebhaberei im Harz in das bundesweite Verzeichnis als immaterielles Kulturerbe aufgenommen. Die Zucht, Hege und Gesangswettstreite der Buchfinken seien als "Finkenmanöver im Harz" identitätsstiftend für die Orte und ein Beispiel "für Wissen und Bräuche im Umgang mit der Natur", wie Professor Dr. Christoph Wulf, Vorsitzender vom Expertenkomitee "Immaterielles Kulturerbe", per Brief an die Buchfinkengilde gratulierend hervorhebt. Dieser Erfolg ist nun neben aktuellen Statuten und Wettkampfordnungen der Finkenfreunde in Sachsen-Anhalt und Niedersachsen in der neuen Auflage des Finkenbuches zu finden. Und nicht nur das.

Widerlegt wird durch die Autoren Lutz Wille und Dieter Spormann im Verein mit Experten erneut und erstmals wissenschaftlich ein alter Vorwurf. Danach würden die weißen Tücher, die um die Wettkampfkäfige der Vögel gewickelt werden, den Lebensraum der Finken verdunkeln. Manche sprechen gar von "Dunkelhaft" für die Vögel. Finkenfreunde haben schon immer dagegen argumentiert, dass ein beeinträchtigter Vogel gar nicht singen würde, die Verhüllung lediglich dem Schutz der manchmal rabiat balzenden Finkenhähne diene. Doch die Vorwürfe blieben. Auch, weil die langsam wieder wachsende Zahl von Gästen bei den Finkenwettstreiten Besucher immer wieder neu besorgt fragen lässt, ob das Tuch die Finken beeinträchtige.

Käfig ist sieben Mal heller als ein Schreibtischplatz

Um das klare Nein darauf ein für alle mal wissenschaftlich zu belegen, ließ die Gilde die Lichtverhältnisse im Käfig an der Technischen Universität Clausthal untersuchen. "Mit einem selbst für uns überraschenden Ergebnis", so Autor und Finkenexperte Dieter Spormann. "Die mit weißen Leinen umhüllten Käfige erreichen eine Beleuchtungsstärke von 700 bis 800 Lux, das ist rund das Siebenfache dessen, was für einen menschlichen Schreibtisch-Arbeitsplatz gilt", so Spormann. Keine Spur also von Verdunkelung.

Ergänzt ist die Neuauflage des Finkenbuches außerdem um sogenannte Gesangsdialekte von Finken aus anderen Regionen. Sie klingen anders als Harzer Finken. Erwähnung finden Buchfinken aus Österreich und Nordrhein-Westfalen. "Es sind Gesänge, die in der Natur überwiegend bereits ausgestorben sind, also von den Buchfinken heute nicht mehr gesungen werden", so Spormann. Die Erwähnung dieser "Fremdsprachen" der Finken rundet das seit der Erstauflage 2008 mehrfach aktualisierte Informationsangebot neu ab.

Auf rund 250 Seiten gibt der Band damit Einblicke in die Jahrhunderte zurück reichende Tradition der Finkerei, die bereits in den Sagen um König Heinrich I. in Quedlinburg ihre Spuren hinterließ. Abzulesen ist das selbst an Straßennamen wie Finkenherd, den es zum Beispiel auch in Blankenburg gibt. Wie aus dem Werk hervorgeht, lässt sich das Brauchtum der Finkenwettstreite bis ins 18. Jahrhundert schriftlich nachweisen. Am ursprünglichsten seien Wettstreite in Benneckenstein erhalten, so die Autoren, wo sie stets am 2. Pfingsttag stattfinden und zu einem Frühlingsfest mit Pfingstfeuern und Folkloreprogramm gehören.

Nach der Lektüre erkennt auch ein Laie Finken

Finkenwettstreite werden gemäß der Balzzeit der Vögel im Mai und Juni grenzüberschreitend zu Höhepunkten der Finkenliebhaberei wie auch des Festangebotes im Harz. So in den Orten Altenau, Hohegeiß, Wieda und St. Andreasberg in Niedersachsen sowie in Benneckenstein, Hasselfelde, Tanne, und Thale in Sachsen-Anhalt.

Bei diesen Wettstreiten wetteifern die Finkenhalter darum, wer das Buchfinkenmännchen mit dem schönsten Gesang und wer den sangeseifrigsten Vogel hat. Der Besitzer, Heger oder Trainer des Vogels mit den schönsten beziehungsweise mit den meisten Rufen wird geehrt und oft zum Finkenkönig ausgerufen. Auch darüber gibt "Buchfink und Mensch" Aufschluss. Beleuchtet werden Themen wie Finkenzucht, Gesänge, Gesangsschulung. Dem Buch liegt eine DVD bei, auf der ein Finkenwettstreit samt Volksfest live zu sehen und zu hören ist.

Erhältlich ist "Buchfink und Mensch" für 18 Euro plus Porto über die Buchfinkengilde Harz bei Helmut Ehrenberg in Altenau, Telefon (0 53 28) 137 7 oder Dieter Spormann in Benneckenstein, Telefon (03 94 57) 4 06 69. Oder auch bei einem der nächsten Finkenwettstreite.

Denn alsbald, so die Experten, ist beim Spaziergang hier und da ein balzender Fink zu hören und mithilfe des Buches auch für Laien zu erkennen.

 

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