Rund 2000 Kinder besuchen in Wernigerode Krippen, Kindertagesstätten und Horte. Für alle ist Platz, aber manchmal wird es ein wenig eng.

Wernigerode l 16 Kindertagesstätten in städtischer Trägerschaft gibt es, dazu noch zwei Krippen für Kinder bis drei Jahren sowie drei Horte an Grundschulen. Ergänzt wird das Angebot noch von sechs weiteren Kindereinrichtungen in freier Trägerschaft.

Für alle gilt, was Annette Klaue, zuständige Sachgebietsleiterin im Wernigeröder Rathaus, den Abgeordneten im Sozialausschuss so beschrieb: "Wir haben eine hervorragende Auslastung." Die Zahlen aus dem Jahr 2014 untermauern das. Da gibt es Krippen wie "Auerhahn" und "Lindenberg", die sind zu 100 Prozent ausgelastet, sprich komplett voll. Bei den Kindertagesstätten sieht es nicht viel anders aus, auch deren Auslastung liegt im Schnitt bei deutlich über 90 Prozent.

"Der Bedarf im Bereich von Null bis drei Jahren ist sehr, sehr hoch", sagte Klaue, es gebe sehr viele Anfragen nach Krippenplätzen. Das, obwohl es im Jahr 2013 weniger Geburten gegeben habe. Doch schon im vergangenen Jahr sei die Zahl wieder gestiegen.

Der Wunsch der Eltern soll berücksichtigt werden

Die gestiegene Nachfrage nach Krippenplätzen hat noch eine weitere Ursache. Die seit Jahren sinkende Arbeitslosigkeit hat zur Folge, dass immer mehr Mütter mit kleinen Kindern arbeiten und deshalb einen Betreuungsplatz für den Nachwuchs benötigen. Das Kinderförderungsgesetz (KiFöG) gibt ihnen einen Rechtsanspruch, den die Stadt auch einhält, wie Annette Klaue zusicherte. Und weiter: "Wir versuchen überwiegend, den Wunsch der Eltern zu berücksichtigen." Wenn es geht, sollen die Kinder dort betreut werden, wo die Eltern es wünschen. Nicht immer gelingt das allerdings. So ist die Krippe am "Auerhahn" nicht mehr erweiterbar.

Auch deshalb hofft Klaue auf ein neues Förderprogramm, mit dem Sanierung, aber auch Erweiterungsbauten von Kindereinrichtungen bezuschusst werden. Für vier Kindergärten hat sie Anträge gestellt. An vorderster Stelle die integrative Tagesstätte "Löwenzahn", die um 20 Plätze erweitert werden soll. Zudem sind Sanierungsarbeiten in den Kindergärten "Regenbogen", "Kleine Strolche" in Reddeber und "Benjamin Blümchen" in Silstedt geplant und stehen deshalb auf der städtischen Wunschliste für Fördermittel.

Für Sabine Wetzel (Grüne / Piraten) war das zu wenig. Angesichts der vorgelegten Zahlen müsse nach Möglichkeiten gesucht werden, "neuen Platz zu schaffen". Die Stadt dürfe das Problem nicht länger vor sich herschieben. Zudem seine ausreichende Kindergartenplätze für junge Familien ein entscheidendes Argument, in die Stadt zu ziehen..

Die Zahl der potenziellen Mütter geht zurück

Sozialdezernent Andreas Heinrich allerdings bezweifelt, dass die Zahl der zu betreuenden Kinder in Wernigerode künftig weiter zunehmen wird "Ich rechne eher mit einem Rückgang." Er begründete das mit dem demografischen Wandel. Die Zahl der jungen Frauen, also der potenziellen Mütter, geht zurück und damit eben auch die Zahl der zu erwartenden Kinder.

Deshalb geht Heinrich nicht davon aus, dass es in den Kindergärten künftig zu Kapazitätsengpässen kommen wird. Annette Klaue warb in diesem Zusammenhang für den verstärkten Einsatz von Tagesmüttern. Das sei ebenfalls eine gute Möglichkeit der Kinderbetreuung.

Die Stadt beschäftigt derzeit rund 200 Erzieherinnen. Davon haben bereits sechs einen Bachelor-Abschluss, vier von ihnen sind als Leiterinnen einer Einrichtung eingesetzt. Drei weitere Erzieherinnen haben die Zusage, bald mit dem Studium beginnen zu können. Beschäftigt werden ausschließlich staatlich anerkannte Erzieherinnen. Zwei Quereinsteigerinnen befinden sich in Fortbildung.

Zum August sollen, auch wegen des erhöhten Personalbedarfs im Rahmen des neuen KiFöG, weitere Erzieherinnen eingestellt werden. Ohnehin wird Annette Klaue künftig verstärkt auf die Suche gehen müssen: Immer mehr Erzieherinnen gehen in Rente.