Wernigerode l Die Blankenburger Firma Stratie will zwischen Wernigeröder Bürgerpark und der Straße Im langen Schlage zwei Mietshäuser bauen. Dem gegenüberliegenden Nachbarn, der Pharma Wernigerode GmbH, ist das ein Dorn im Auge. Das Unternehmen stellt Arzneimittel her, doch das geht nicht ohne Geruchs- und Lärm- emission ab. Pharma-Herstellungsleiter Peter Zimmereimer befürchtet, dass sich die künftigen Bewohner darüber beschweren und in der Folge Expansionspläne seines Unternehmens stoppen könnten.

Der Zwist ist nicht neu. Bereits Ende vergangenen Jahres waren die Pläne öffentlich ausgelegt worden. Es gab Bedenken, auf die Stratie reagierte. Die beiden Häuser sollen um zwölf Meter verschoben, der Abstand zur Pharma somit etwas vergrößert werden. Zudem werden die Häuser so umgeplant, dass sich die Fenster von Kinder- und Schlafzimmern nicht auf der Pharma zugewandten Seite befinden. Diese Planänderungen wurden erneut von mehreren Gutachtern untersucht und von diesen für ausreichend befunden. Laut Beschlussvorlage für Bauausschuss und Stadtrat komme die obere Immissionsschutzbehörde nun zu der Einschätzung, dass durch "die Verschiebung der Baukörper sich die Immissionssituation an den Gebäuden verbessert".

Diese Argumentation ist für Zimmereimer nicht nachvollziehbar. Die gesetzlichen Grenzwerte seien zwar eingehalten worden, doch diese seien lediglich technischer Art. "Welche Nase riecht den Unterschied", zweifelte er bereits im Bauausschuss daran, dass die Verschiebung der geplanten Neubauten die Bewohner zufriedenstellen dürfte. Sollten die beiden Häuser gebaut werden, sieht Zimmereimer Investitionen in Höhe von 20 Millionen Euro gefährdet.

Gegenüber der Volksstimme konkretisierte er das. Bereits für dieses Jahr plane das Unternehmen unter anderem die Modernisierung der Anlagen sowie den Bau einer zusätzlichen Lagerhalle. Die Bauvoranfrage beim Kreis sei bereits gestellt, investiert werden sollen bis zu zehn Millionen Euro. Perspektivisch sollen in den kommenden Jahren weitere zehn Millionen Euro investiert werden, etwa in Labor und Produktionsstätten. Ob die Eigentümer, die Berliner Aristo-Gruppe, angesichts möglicher Konflikte mit den Nachbarn, investieren wolle, sei unsicher, sagt Zimmereimer.

Stratie-Chef Andreas Ebert sah dies anders. Die Pläne seien so verändert worden, dass sie allen Anforderungen entsprechen. Sowohl mögliche Lärm- als auch Geruchsbelästigungen seien durch das Verschieben der Gebäude im zulässigen Bereich, Probleme sehe er deshalb nicht. Ebert verwies im Bauausschuss auf zahlreiche Anfragen potenzieller Mieter, aber auch auf die drei Millionen Euro, die sein Unternehmen investieren werde.

Das Planungsverfahren geht nun nach dem Beschluss des Stadrates in eine neue Runde. Die geänderten Pläne werden erneut ausgelegt, Bedenken können angemeldet werden. Zimmereimer wird das auf jeden Fall tun. Er hat neue Gutachten in Auftrag gegeben, die nicht nur die aktuelle Situation untersuchen, sondern mögliche Emissionen berücksichtigen, die nach den geplanten Erweiterungen entstehen. Das dürfte andere Ergebnisse zu Tage bringen, ist er überzeugt.

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