Ein vernetzendes Entwicklungskonzept für die Oberharzstadt als Ganzes wird debattiert. In Hasselfelde stößt es auf Zustimmung und Kritik bis zur Forderung nach Auflösung der Stadt.

Hasselfelde l Die Prognosen für den Bevölkerungsschwund seien negativ, aber das gehe nicht nur der Stadt Oberharz so, sondern selbst großen Städten. So lautete eine der Bemerkungen, mit denen Andrea Stolle und Tamara Mitransky von der Sanierungsträgerfirma Baubecon am Mittwochabend im Hasselfelder Kursaal zur Mitgestaltung der Stadt ermuntern wollten. Das Echo unter den gut 30 Bürgern war durchwachsen.

Immer weniger Einwohner - das sollte man dem Innenminister zeigen, die Stadt auflösen und an Blankenburg angliedern, sagte Peter Feldmer (Harzköhlerei). Dirk Rieche von der Feuerwehr wandte sich dagegen, dass Bürger über ein Konzept diskutieren, das eigentlich Sache der Kommune sei. Man könne nicht alles aufs Ehrenamt abwälzen. Mathias Vogel kritisierte aus Sicht junger Leute das Fehlen einer richtigen Infrastruktur und von Straßenanbindungen. Die Wege zur Arbeit seien zu lang, ein Thüringer komme eher von Erfurt nach Nürnberg als ein Hasselfelder nach Nordhausen.

Dagegen stehe die Vereinsstruktur in Hasselfelde doch sehr gut da, sagte Bogen- schützen-Chef Joachim Krebs. Allein die Sportvereine hätten über 400 Mitglieder. Diese Kraft sei besser zu koordinieren.

Ronald Probek vom Freibad-verein Rübeland verwies auf seine guten Erfahrungen mit der Einsatzbereitschaft vieler Bürger. In Rübeland werde das Bad dadurch nicht nur erhalten, sondern es komme auch Geld für Verbesserungen zusammen, das die Stadt nicht hätte.

Das Bad in Rübeland sei mit dem in Hasselfelde nicht zu vergleichen, wandte Dierk Böhnstedt ein, doch man müsse schauen, was machbar sei.

Hingewiesen wurde auf Lärmbelästigungen an der Bundesstraße 81 bei Rotacker und auf leere Häuser wie etwa Hasselfeldes altes Rathaus, das seit zehn Jahren leer stehe. Vielleicht, so schlug Falko Nosovsky vor, könnte es doch saniert und wieder genutzt werden, dann hätten die Bürger der Stadt ein stadteigenes Rathaus im Stadtzentrum.

Stolle und Mitransky nahmen alle Hinweise auf und wollen sie in das überörtliche Entwicklungskonzept einfließen lassen. Es gehe um die Nutzung der Potenziale der Stadt als Ganzes. Dazu müsste jeder auch über den eigenen Heimatort, den eigenen Kirchturm hinaus denken. Mit dem Konzept sollen später Fördertöpfe aufgetan werden, für die aber noch Beschlüsse fehlten. Auf den Einwand, die Stadt habe doch gar kein Geld für Eigenanteile, um an Fördergeld zu kommen, erwiderte Andrea Stolle, dass doch in den vergangenen Jahren auch viel geschaffen wurde, die Stadt viele schöne Ecken habe.

Das Konzept wird Thema von Bürgerversammlungen (siehe Kasten). Auf aktuelle Geldquellen für Vereine soll in Kürze übers Internet auf der Stadtseite Oberharz hingwiesen werden.

 

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