Wernigerode l Die vier Männer betrachten die Liege, über die ein weißes Tuch gebreitet ist. Diese dient Krebspatienten, die mit dem Linearbeschleuniger behandelt werden, erklärt Dr.Dieter Haessner, Chefarzt der Klinik für Strahlentherapie am Harzklinikum Wernigerode. Die Besucher haben einen weiten Weg hinter sich. Die vier Ärzte aus der Ukraine haben drei Tage lang Wernigerode besucht, am Wochenende sind sie zurückgefahren - mit einem Hilfstransport, den der Verein "Notruf Ukraine" organisiert hat.

15 Tonnen Hilfsgüter, die zum großen Teil vom Harzklinikum gespendet wurden, bringen die Helfer in das Kreiskrankenhaus Sambir, etwa 75Kilometer von der Bezirkshauptstadt Lwiw (Lemberg) und rund 40 Kilometer von der Grenze zu Polen entfernt. In dem 330-Betten-Haus fehlt es vor allem an medizinischem Gerät, erklärt Chefarzt Eugeniusz Podhrebelny, "Wir haben Kopf und Hände und eine gute Ausbildung, aber nicht die nötige Ausrüstung. Dafür fehlt in unserem Land das Geld."

Zusammen mit seinen Kollegen Volodymur Kostrytckyi, Mukolo Kyundua und Andriy Podhrebelny hat der Spezialist für Ultraschalldiagnostik einen Rundgang durch das Wernige röder Klinikum unternommen. Etwa 100 Patienten werden täglich in der Klinik behandelt, berichtet der Chefarzt. "Bei uns liegen die Zahlen höher, bedingt durch Tschernobyl", sagt Podhrebelny. Chefärztin Chitra Königsmark führt die Gruppe dann durch das Zentrallabor, mit denen mehr als drei Millionen Untersuchungen pro Jahr vorgenommen werden.

Zuvor wurden schon die Hilfsgüter für den aktuellen Transport verladen - vor allem Medizintechnik, Betten und Mobiliar. Die Mediziner wählten aus, was am dringendsten gebraucht wird - "damit wir zielgerichtet helfen können", sagt der stellvertretende Vereinsvorsitzende Holger Oppermann. Das Klinikum stelle gern Spenden bereit. "Es ist gut, wenn man mit verlässlichen Partnern zusammenarbeiten kann", so Sprecher Tom Koch. Am Sonnabend sind die Helfer Richtung Osten aufgebrochen - mit Zwischenstopp im polnischen Oswiecim (Auschwitz), wo eine Übernachtung und ein Besuch des Konzentrationslagers geplant waren.