Es kommt selten vor, doch es geschieht immer wieder: Erwachsene lassen sich taufen. Was sie dazu bewegt, das wollte die Volksstimme von Wernigeröder Pfarrern wissen.

Wernigerode l Eine Kindstaufe in der Kirche ist sicher ein schönes, aber kein ungewöhnliches Ereignis. Bei Erwachsenen über dem Taufbecken sieht das schon anders aus. Für dieses Ritual bietet die Evangelische Gemeinde St. Johannis in Wernigerode regelmäßig den "Taufkurs für Erwachsene" an. "Dieses Angebot richtet sich an Menschen, die sich auf die Suche nach ihrem eigenen Glauben begeben möchten oder den Wunsch verspüren, sich taufen zu lassen", begründet Heide Liebold, Pfarrerin dieser Gemeinde.

Bei solch einem Thema müssen laut Liebold die Kursteilnehmer erst einmal ins Gespräch kommen. Unter anderem geht es dabei um Fragen wie: "Passen Vernunft und Glaube zusammen?", "Was passiert beim Abendmahl?" oder "Wie kann ich beten?" Die Pfarrerin betont: "Wer aus einem nicht-religiösem Elternhaus kommt und sich als Erwachsener taufen lassen will - für den ist es ein beschwerlicher, aber spannender Weg." Nach einem Kurs im vergangenen Jahr haben sich vier Erwachsene in der Osternacht taufen lassen. "Eine weitere Teilnehmerin denkt noch darüber nach", so die Pfarrerin. Sie ist in ihrem Amt mittlerweile seit vier Jahren in der Gemeinde St. Johannis tätig. "Pro Jahr lassen sich im Schnitt drei bis fünf Erwachsene hier taufen. Jemand sagte mir zum Beispiel, dass er den Wunsch danach schon lange in sich spüre. Das ist Ehrlichkeit."

Ein weiterer Grund für dieses Ritual seien "familiäre Zusammenhänge". Damit sind Konfirmation oder die Taufe des Sohnes oder der Tochter gemeint. "Bei solchen Ereignissen möchten so manche Eltern mit ihren Kindern gemeinsam teilhaben", sagt sie.

Auch Pfarrer Peter Michael Schmudde von der Evangelischen Christusgemeinde Wernigerode-Schierke kennt dieses Thema. Er ist seit dem Jahr 2003 im Dienst. Bisher haben sich von ihm sechs Erwachsene taufen lassen. "Einen Taufkurs habe ich noch nicht angeboten. Doch er ist eine gute Idee. Die Menschen werden damit an den Glauben herangeführt."

Von Pfarrer Schmudde ließ sich unter anderem ein Berufskraftfahrer taufen. "Er sagte mir als Grund, dass er in seinem Berufsleben viel erlebt habe und so zum Glauben und zur Kirche fand. Vielleicht hat der Mann mit dem Erlebten Verkehrsunfälle gemeint." Auch Schmudde sieht als Grund für die Erwachsenen-Taufe zum Beispiel die Konfirmation der eigenen Kinder, an der die Eltern teilhaben möchten. Peter Michael Schmudde verlässt übrigens Ende Juni den Harz und geht nach Worbis (Thüringen).

Pfarrerin Cornelie Seichter von der Evangelischen Kirchengemeinde St. Sylvestri und Liebfrauen Wernigerode ist seit über 40 Jahren im Dienst. Das Amt in ihrer derzeitigen Gemeinde trat sie vor fünf Jahren an. In Wernigerode hat Cornelie Seichter bisher sieben Frauen und Männer im Alter von 18 bis 45 Jahren getauft. In den vorherigen Gemeinden waren es etwa 15 bis 20. Sie bietet zwar keine Taufkurse an, dafür jedoch Einzelgespräche. "Die Leute sollen diesen Schritt von Herzen tun", sagt die Pfarrerin.

Der Wunsch, sich als Erwachsener taufen zu lassen, kam laut Seichter vor allem nach der Wende auf. Dazu gehören Personen, die ein kirchliches Patenamt übernehmen möchten oder die in einem kirchlichen Haus arbeiten. "Nicht zu vergessen sind Menschen, die schwere Lebenswege hinter sich hatten und dann zum Glauben gefunden haben", so die Pfarrerin.

Derzeit liegen in der Sylvestri- und Liebfrauenkirche Flyer zum Thema Taufe aus.