Wernigerode l Vier Mann, vier Ecken. Die Spezialisten einer Sportstättenbaufirma verstehen ihr Handwerk. Gekonnt legen sie Bahn für Bahn, verschweißen die weißen Deckfolien und ziehen dann den grünen Rasen aus Kunststoff auf.

"Gut eine Woche, dann sind sie fertig", sagt Wolfgang Kopp, der für den Fußball-Club in Hasserode die Arbeiten überwacht. Der Geschäftsstellenleiter freut sich beim Anblick, wie ein langersehnter Traum in Erfüllung geht. "Helmut wird staunen, wenn er aus dem Urlaub zurück ist", sagt der engagierte über 70-jährige Rentner.

Helmut Homann fiebert ebenso der Fertigstellung des Kunstrasenplatzes im Stadion an der Mannsbergstraße entgegen. "Was haben wir dafür Nerven gelassen und gekämpft", so der Präsident des FC Einheit Wernigerode vor seiner Abreise im Volksstimme-Gespräch. Mit dem Neubau werden sich die Bedingungen für die 140 Kinder- und Jugendfußballer endlich verbessern. "Schluss mit dem Gekicke auf dem harten Asphaltplatz", sagt der 63-Jährige und erinnert an den langjährigen Kraftaufwand. Zahlreiche Anträge wurden gestellt, Sponsoren gesucht, Pläne geschmiedet, und immer wieder die Enttäuschung, es wird nichts. Dann die Chance, mit Unterstützung der Stadt und des Landes, einen Kunstrasenplatz zu bauen. Keinen großen, aber ein Kleinfeld nach Norm.

"Das reicht, um unsere bislang so miserablen Trainingsbedingungen gravierend zu verbessern", sagt Homann. Immerhin musste der Verein für die Realisierung des insgesamt 170 000 Euro teuren Projekts einen Kredit von gut 100 0000 Euro aufnehmen. Die Finanzierung steht also, "doch ist nicht von Pappe", sagt der Inhaber einer Autoteile-Firma und zieht eine Klappkarte aus der Tasche.

"Grün für die Zukunft, Kunst- rasen für die Kids" steht auf der ersten Seite. Weil alles aus eigener Kraft zu stemmen sehr schwer für einen Amateur-Verein ist, verkauft Einheit seinen Kunstrasen. "Nur symbolisch, versteht sich", sagt der Wernigeröder und erklärt: Mit dem Kauf eines Eckchens des 35 mal 45 Meter großen Grüns können die "Rasenbesitzer" den FC Einheit unterstützen. Ab 10 Euro ist ein Stück Kunstrasen, genannt Mannsberg-Aktie, zu haben. Wer möchte, kann auch mehrere "Aktien" erwerben. Jeder Spender erhält ein Zertifikat und kann auf einer Sponsorentafel verewigt werden.

Seit vier Wochen läuft die Spendenaktion, deren Ideengeber Stefan Heymann ist. "Die Bereitschaft ist groß, uns zu helfen", so der Präsident. 6000 Euro seien schon zusammengekommen, "wünschenswert sind 30 0000 Euro". Mit dem Geld sollen die Einfassung des Kunst- rasenplatzes mit einem Plattenweg, das Aufstellen der Ballfangnetze und die Beleuchtung finanziert werden.

"Unser Ruf für eine engagierte Jugendarbeit ist gut", sagt der Einheit-Chef, der sich optimistisch gibt, weitere Sponsoren für das Zukunftsprojekt zu finden, obwohl "noch an einer anderen empfindlichen Stelle der Fußballschuh drückt". Das Vereinsheim hat laut Homann den Charme der Walter-Ulbricht-Ära. Tatsächlich erinnern Kabinen und Sanitärräume am Mannsberg an die Zeit des Staatsratsvorsitzenden der DDR von 1950 bis 1971. Ein Neubau ist geplant, die Umsetzung des eine Million Euro teuren Vorhabens hängt von der Bewilligung des Fördergeldantrages ab. Eine Entscheidung steht noch aus.

In dieser Hinsicht schwarz sehen, will Homann nicht. Seit 44 Jahren ist der gebürtige Schierker Mitglied bei Einheit und leitet mit einer kurzen Unterbrechung seit 22 Jahren die Geschicke des FC. "Der Ball wird weiter am Mannsberg rollen, zumal unsere Jugend dicke da steht und die erste Männermannschaft den Klassenerhalt geschafft hat."

So dürfte beim letzten Landesliga-Heimspiel am 6. Juni nichts mehr anbrennen. "Die Planung für die neue Serie ist schon angelaufen", sagt Homann und lässt sich Veränderungen entlocken: Carsten Stein wird sein Traineramt an Alexander Kopp abgeben und die Erste managen. Spieler Nick Schmidt kehrt von Germania Halberstadt zurück, zum "grünen" Mannsberg.

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