2009 fuhr man in der Agrargenossenschaft "Bundschuh" wegen verschiedenster Umstände das schlechteste Betriebsergebnis in der Geschichte des Unternehmens ein. Dem folgte 2010 ein besonders erfolgreiches Jahr. Auch dafür seien laut Geschäftsführer Winfried Burscheit mehrere Faktoren ausschlaggebend gewesen. Trotzdem seien die derzeitigen Rahmenbedingungen "außerordentlich kompliziert".

Schmatzfeld. Hinter Geschäftsführer Winfried Burscheit liegen mit 2009 und 2010 zwei Jahre, die unterschiedlicher gar nicht sein könnten. "Nach dem schlechtesten Jahr folgte das beste", so Burscheid. Kamen auch diesem Nordharzer Unternehmen die 2010 stark gestiegenen Getreidepreise zugute, sah die Situation 12 Monate vorher mehr als düster aus: "220 000 Euro waren 2009 der höchste Verlust in der Geschichte der Genossenschaft", so Burscheit auf Nachfrage der Harzer Volksstimme. Um finanziell überhaupt über die Runden zu kommen, habe man damals sogar Überbrückungskredite aufnehmen müssen.

2010 konnte man wegen der grundsätzlich verbesserten Situation die Talfahrt beenden und praktisch in ihr Gegenteil verkehren. Burscheit spricht von einem "sehr guten Betriebsergebnis im vergangenen Jahr." Allerdings sagt er das keineswegs, ohne diese Einschätzung gleich selbst wieder zu relativieren: "Es hat zwar für das Getreide und den Raps wesentlich mehr gegeben, aber die Anderen waren sofort auch gleich wieder da."

"Mischfutter bis zu 79 Prozent teurer: blanker Wahnsinn"

So hätten sich nicht nur die Düngerpreise binnen kürzester Zeit verdoppelt. Auch das Saatgut sei viel teurer als noch vor Monaten: "Und was der Diesel macht, sieht jeder Kraftfahrer an der Tanke selbst." So hätte sich allein der Mischfutterpreis zwischen Februar 2010 und Februar 2011 um bis zu 79 Prozent verteuert. Burscheit kommentiert das kurz und schmerzvoll mit den Worten "Blanker Wahnsinn!"

So stehe jetzt schon fest, dass die 2010 erzielten Gewinne "bis zum Jahresende komplett wieder aufgefressen" sein werden. Insofern hält sich die vorübergehend aufgekommene Euphorie in Schmatzfeld und sicher auch darüber hinaus, stark in Grenzen. Burscheit, der zugleich auch Ortsbürgermeister Schmatzfelds ist, macht aber zudem noch auf einen anderen Zusammenhang aufmerksam. Hintergrund sind ein weiteres Mal und immer noch die im Dezember und Januar schon wieder gesunkenen Milchpreise: "Das heißt: Nur die Pflanzenproduktion in Form der Subventionen macht es möglich, dass wir uns die Milchproduktion überhaupt noch leisten können. Letztere rechnet sich nach wie vor nicht."

In den Ställen stehen zur Zeit 600 Rinder. Davon sind rund 300 Milchkühe. Mit einer zu bewirtschaftenden Fläche von gerade einmal 650 Hektar ist Burscheit Chef eines der kleinsten Unternehmen diesbezüglich in der Region. Insgesamt arbeiten 11 Beschäftigte in diesem Landwirtschaftsbetrieb. Früher seien das einmal 120 für insgesamt 750 Hektar gewesen, so Burscheit.

Die für Schmatzfeld besonders markanten sieben Hochsilos würden für die Anwelk- bzw. hochwertige Maissilage kaum noch genutzt werden. Der Grund ist die dafür notwendige Energiemenge, die den Betrieb schon vor Jahren unwirtschaftlich werden ließ. Vor zehn Jahren waren die Silos noch mit 64 000 Tonnen befüllt. Inzwischen seien das laut Burscheit weniger als zehn Prozent: "Abreißen? Auf gar keinen Fall. Erstens würde das auch wieder Geld kosten. Zweitens würde damit das einzige Wahrzeichen von Schmatzfeld verschwinden. Die Silos sind bei halbwegs guter Sicht vom Brocken auszumachen. Vielleicht stehen sie sogar in 100 Jahren noch."

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