"Die Frau weiß, wovon sie schreibt." "Absolut empfehlenswert!" "Ich habe das Buch in einem Rutsch durchgelesen. Es hat mir den verregneten Samstag gerettet." Oh? Ist etwa der neue Roman von Donna Leon erschienen? Oder von Suzanne Collins? Oder etwa von Dora Heldt? Weit gefehlt. Diese positiven Bewertungen bekommt Andrea Barheine. Von Lesern aus ganz Deutschland.

Blankenburg. Die Blankenburgerin Andrea Barheine hat im vergangenen Jahr ihre beiden Erstlingswerke veröffentlicht. Im Eigenverlag und als sogenannte "Books on demand-Autorin". Im Internetkaufhaus "Amazon" sind ihre Bücher - "Pflegefall(e)" und "Claus mit Zeh" - nicht nur gelistet, sondern werden sogar bundesweit verkauft. Und die Käufer haben sich augenscheinlich prächtig amüsiert. Sie bescheren der 50-Jährigen ausschließlich Fünf-Sterne-Bewertungen.

"Das gibt einem im Moment den Kick", ist Andrea Barheine ein bisschen stolz auf ihre "Sterne". Denn so amüsant ihre Geschichten auch sind, ihr eigenes Leben verlief in den vergangenen zwei Jahren alles andere als lustig. Für die gelernte Gastronomin kam nach der Wende das schnelle Aus bei der "HO". Doch entdeckte sie die Computerwelt für sich und entschied sich für eine Ausbildung zur "PC-Fachkraft für Bürokommunikation". Vorher hatte sie mit Schreiben nicht viel am Hut. "Ich habe in der Schulzeit Tagebuch geschrieben. Da habe ich schon mal die Lehrer durch den Kakao gezogen", erinnert sie sich. Doch dann war alles anders. "Meine Erlebnisse schickte ich in äußerst kuriosen Schilderungen per E-Mail an meine Freundin. Und diese lustigen Geschichten hat sie sich schon immer als Buch gewünscht", blickt Andrea Barheine zurück.

Dass dieser Wunsch allerdings wahr werden sollte, hat mit einem weniger schönen Ereignis zu tun. Eine schwere Krankheit sollte ihr Leben im Jahr 2009 radikal verändern. "Am 27. November hatte ich einen OP-Termin", erinnert sie sich an diese schwere Zeit zurück. Doch ein Gutschein ihrer Freundin für die Veröffentlichung eines Buches, sollte ihr Mut machen und war gleichzeitig Ansporn, auch das "Leben danach" zu meistern. "Da habe ich mir gesagt: ,Jetzt musst Du! Ich will ihr diesen Gefallen tun und dieses Buch machen! Werde fit!\'"

"Ich werde beim Fensterputzen inspiriert"

Das habe viel dazu beigetragen, dass sie sich schnell erholte. "Ich habe an das Buch gedacht und nicht an die Krankheit", blickt sie zurück. Auch ihre Freunde machten ihr Mut. Nach ersten Leseproben ihrer Kurzgeschichten hörte sie oft: "Wir wollen wissen, wie es weitergeht!" Weitergeht zum Beispiel mit den abenteuerlichen und turbulenten Alltagsgeschichten ihrer Romanheldin Angelika Krümel, die nach ihrer Heirat Bröckel heißt. Sie meistert im Buch "Pflegefall(e)" gekonnt alle Hürden, die das Leben so mit sich bringen, mit der gehörigen Portion Mutterwitz, Tatkraft und Improvisationstalent.

"Die Personen sind alle frei erfunden", beteuert Autorin Andrea Barheine, die aber die ein oder andere Situation so oder ähnlich erlebt hat und diese humorvoll, manchmal auch mit einer Portion Sarkasmus geschickt würzt. Und: "Zufälligkeiten gibt es natürlich immer", sagt sie mit einem augurischen Lächeln.

Fast wie ihre Romanheldin Angelika schöpft sie selbst ihre Ideen aus der Hausarbeit. "Ich werde inspiriert beim Fensterputzen. Bei diesen stupiden Tätigkeiten wird der Kopf für ,Albernheiten\' und ,Wortspielereien\' frei. Es hat sogar den schönen Nebeneffekt, dass seit einiger Zeit meine Fenster immer glänzen", gibt Andrea Barheine zu. Seit sie angefangen hat zu schreiben, liegen jetzt überall Blöcke in ihrem Häuschen am Roh herum. Und Zettelchen, auf die sie ihre Ideen notiert.

Und dass sie sich im Sommer 2010 sogar an ein zweites Werk wagte - Titel: "Claus mit Zeh" - hatte nicht nur damit zu tun, dass ihr Freunde zum Weitermachen rieten. Andrea Barheine: "Zum Glück war Fußball-WM. Da hatte ich genug Zeit zum Schreiben", sagt sie schmunzelnd und schaut vielsagend zu ihrem Mann Hilmar herüber.

"Diese Geschichten passieren sicher vielen Menschen"

Dabei sei das Schreiben als solches für sie nicht das Schwierigste an den Buchprojekten gewesen. "Das Umwandeln der Texte, das Hochladen ins Internet und das Layouten, da hat nichts gepasst", war sie so manches Mal fast am Verzweifeln. So bescherte ihr beispielsweise eine falsche Anordnung von Seitenzahlen eine Erstauflage von sage und schreibe drei Exemplaren. Mehrere Freunde gaben zuvor beim Probelesen Tipps. "Ich habe das Buch vor dem eigentlichen Druck sicher hundertmal ausgedruckt und konnte es fast auswendig", so die Schriftstellerin, die nun aber regelrecht Blut geleckt hat.

Ein drittes Werk ist bereits geplant. Und auch darin werden sich wohl viele Leserinnen und Leser wiedererkennen. "Die Geschichten passieren sicher vielen", ist Andrea Barheine überzeugt, "nur schreiben sie sie nicht auf."

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