Der Tourismus wird zum immer bedeutenderen Wirtschaftsfaktor - vor allem im Harz, der Urlaubsregion in Sachsen-Anhalt. Christoph Erdmenger, Landeschef der Grünen, hat im Wahlkampf in Wernigerode nicht nur das Erreichte gelobt, auch auf Mängel aufmerksam gemacht.

Wernigerode. Christoph Erdmenger ist im Harz gewandert. Er will mit Rücksicht auf seine Kritik nicht sagen, wo genau. Also irgendwie von A nach B, und zweimal ist der 41-jährige Spitzenkandidat eingekehrt. Was sollte dem Grünen aufgetischt werden? "Schnitzel und Pommes, das scheint hier wohl ein Nationalgericht zu sein", sagte Erdmenger während des Wernigeröder Tourismusforums seiner Partei. Sorgt solch\' ein gastronomisches Angebot für nur zufriedene Harzer Gäste?

Der Bündnisgrüne sieht in der Tourismusbranche "einen Job-Motor". Gelänge es Sachsen-Anhalt, Tourismuszahlen wie in Thüringen zu erreichen, bedeutete dieses Wachstum um ein Drittel zugleich, dass 6000 zusätzliche zu den bislang 20 000 Arbeitsplätzen im Land (davon die Hälfte im Ostharz) geschaffen werden könnten. Dafür, so Erdmenger, würden auch in Zukunft Fördergelder benötigt, "und dabei eine deutlich bessere Kooperation unserer Landesministerien".

Wo hat der Harz weitere touristische Defizite? Wernigerodes Tourismuschefin Erdmute Clemens warnt vor zunehmendem Fachkräftemangel. Die schlechte Entlohnung der Mitarbeiter in Küche, Restaurants sowie Hotels und Pensionen, dazu gerade unter Jugendlichen unbeliebte Arbeitszeiten lassen die Suche nach Lehrlingen und Facharbeitern stets schwieriger geraten. Mit Carola Schmidt erinnert die Geschäftsführerin des Harzer Tourismusverbandes an Urlaubserlebnisse wie die perfekte Höflichkeit in Thailand oder die große Gastlichkeit in Österreich: "Auch hier im Harz unsere Gäste mit einem Lächeln willkommen zu heißen, das kostet nichts und ist doch eine lohnende Investition."

Dass die Region gemeinsam "mit der uns alle verbindenden \'Marke Harz\' werben muss", setze sich zunehmend durch, schätzte die Tourismusexpertin ein. Sie sagte auch, laut Gästebefragungen finden 80 Prozent aller Deutschen, der Harz sei eine "sympatische Urlaubsregion" - allerdings verbindet nur die statistische Hälfte Sachsen-Anhalt mit einem Reiseziel. Schmidt: "Ich bin froh, dass es auf der Tourismusbörse in Berlin den offiziellen Startschuss für eine \'Natur-Tourismuskampagne\' gibt, davon können wir im Harz deutlich mehr profitieren als von Landesthemen."

Vieles noch unbekannt

Ein Defizit sieht die Tourismusverbands-Geschäftsführerin auch darin, dass "noch zu wenige Gastgeber von den vielfältigen Harzer Angeboten in Natur, Freizeit, Sport und Kultur wüssten - Stichwort Servicequalität. Erfreulich ist deshalb, dass ebenfalls in Berlin mit Quedlinburg erstmals eine gesamte Stadt das Qualitätssiegel erhalten wird. Bislang konnten sich vor allem Hotels, Tourist-Informationen und weitere Anbieter mit dieser Anerkennung schmücken.

Peter Gaffert nutzt nicht nur im Wahlkampf jede Chance, um für Wernigerode als attraktives Tourismusziel zu werben. Anhand statistischer Daten kann der Rathauschef beeindruckende Zahlen vortragen. Wie jene, dass Hotelgäste pro Nacht für 80 Euro an Umsatz in Wernigerode sorgten, Urlauber in Privatquartieren noch 45 Euro je Nacht beisteuerten. Allerdings beunruhigt Gaffert, dass die touristischen Betriebe gerade mal vier Prozent zum Wernigeröder Gewerbesteueraufkommen beitragen. "Wer wie in Schierke geschehen, Betten für 29 Euro pro Nacht verkauft, wird davon nur schwer gutes Personal bezahlen, regelmäßig sein Haus modernisieren und auch Steuern zahlen können."

Solche wirtschaftlich ungesunde Entwicklung müsse gestoppt werden - auch mit Hilfe des millionenschweren Tourismuskonzeptes. Allerding, da sind sich erfreulich alle einig, sei das kein Wahlkampfthema.