Der Verein "Blankenburg hilft Tschernobyl" blickt in diesem Frühjahr auf 18 Jahre engagierte Arbeit zurück. Hauptanliegen der Mitstreiter um Vereinschef Mirko Gent ist es, strahlengeschädigten Kindern aus Weißrussland unbeschwerte Urlaubstage im Harz zu ermöglichen. Der 25. Jahrestag der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl und die aktuellen Ereignisse in Japan rücken den engagierten Verein wieder mehr in den Blick der Öffentlichkeit. Wir stellen seine Arbeit in einer dreiteiligen Serie vor. Heute: Teil zwei.

Blankenburg. Im Gegensatz zur Dankbarkeit der Eltern in Belarus, die ihre Kinder zur Erholung nach Deutschland schicken konnten, hatte der Verein "Blankenburg hilft Tschernobyl" immer mit Behinderungen der humanitären Arbeit zu tun. Das Regime unter Präsident Lukaschenko sah es sicher nicht gern, wenn die Kinder in Blankenburg eine andere Welt kennen lernten. In jedem Jahr gab es neue Bestimmungen, die uns nicht bekannt waren.

Schlechte Erfahrungen sammelte der Verein bei Hilfstransporten. Die Abfertigung an der Grenze, die Tatsache, dass die Hilfsgüter erst sechs Wochen eingelagert werden mussten, bevor sie verteilt werden konnten und die diskriminierende Behandlung der Empfänger führten zur Einstellung dieser Hilfssendungen. Dafür fuhren die Busse zum Abholen der Kinder wie Gepäcktransporter nach Belarus, was bei der Grenzkontrolle nicht mit Freude wahrgenommen wurde.

Auf lokaler Ebene gab es zu einigen Vertretern des Staates, die nicht vom Präsidenten eingesetzt waren, gute Kontakte, weil die sehr wohl erkannten, welche Arbeit wir für ihre Kinder leisten.

In den Jahren reifte die Erkenntnis, dass die Kinder in den Dörfern etwas vergessen werden. So orientierte sich der Blankenburger Verein auf den kleinen Ort Usljasche im Kreis Stolin. Wir waren durch einen mehr zufälligen Besuch der Mutter der Vorsitzenden des Pinsker Vereins auf diesen Ort aufmerksam geworden. Hier war eine permanente Strahlenbelastung von zwei Curie vorhanden. Das Nachbardorf Ustemle einen Kilometer entfernt, das wir mal besuchten, war wegen zu hoher Strahlenwerte evakuiert worden.

"Für die 1300 Kilometer benötigen wir 24 Stunden"

In der Schule von Usljasche waren 32 Schüler. Wenn Kartoffeln gepflanzt oder geerntet wurden, war schulfrei. Für diese Kinder begann der Erholungsurlaub in Blankenburg, wenn sie in den Bus von Unternehmerin Katrin Schwarzenberg einstiegen. Der Deutschlehrer der Schule, Sascha Oleinik, war mehrmals als Dolmetscher der Gruppe in Blankenburg. Als Übersetzer war er keine "Leuchte", aber als väterlicher Freund für die Kinder und für uns war er unübertroffen. In seinem Garten wächst eine Korkenzieherweide aus Blankenburg. Aber es ist fast so, als bekäme ihr die Strahlung nicht, denn sie wächst sehr langsam.

Für die Reise von 1300 Kilometern benötigten wir fast 24 Stunden. Heute ist die Kontrolle in Frankfurt/Oder weggefallen. Und in Polen wird schrittweise eine Autobahn gebaut. Alles führt zu kürzeren Fahrzeiten. Aber auch die Reise mit dem Flugzeug ist in den letzten Jahren zu einer kostengünstigen Alternative geworden.

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