Bei einem Brand in einem Wohn- und Geschäftshaus direkt am Roseninsel-Kreisel in Wernigerode haben gestern morgen drei Menschen ihr Hab und Gut verloren. Ein Rentner und ein Feuerwehrmann wurden verletzt. Über 70 Brandschützer waren im Einsatz - für einige bereits der zweite am Dienstagmorgen.

Wernigerode/Reddeber. Gleich zweimal mussten die Brandschützer gestern Morgen ausrücken.

Der erste Einsatzort war die Abfallwirschaft in Reddeber. Um 5.19 Uhr wurde die Feuerwehr alarmiert, weil Mitarbeiter beim Aufräumen nach dem Brand am Sonn-abend (Volksstimme berichtete) ein Glutnest in einem Haufen Altpapier gefunden hatten. Kaum war das Feuer gelöscht, heulte die Sirene zum zweiten Mal. In der Wernigeröder Rudolf-Breitscheid-Straße stand der Dachstuhl einer Villa in Flammen. Schon von Reddeber aus sei die Rauchsäule zu sehen gewesen, so die Brandschützer.

Direkt vor Augen hatte die aus dem Dach lodernden Flammen der Ehemann der Rechtsanwalts-Sekretärin auf seinem Weg zur Arbeit. Als er seine Frau anrief und ihr mitteilte, "die Kanzlei brennt, hielt ich es für einen Scherz", sagte sie gegenüber der Volksstimme. In Windeseile sei sie dann zur Arbeitsstätte gefahren und schockiert gewesen. Der Dachstuhl des großen weißen Wohnhauses, das den Namen "Villa Martha" trägt und direkt am Roseninsel-Kreisel steht, wurde Opfer der Flammen.

Gegen 5.40 Uhr war das Feuer im Wohnzimmer der ausgebauten Dachgeschosswohnung ausgebrochen. Wie die Polizei auf Nachfrage bestätigte, durch einen Defekt am Fernsehgerät. Beim Versuch, die Ausbreitung des Feuers zu verhindern, erlitt der 70-jährige Bewohner eine Rauchgasvergiftung und musste ins Harz-Klinikum eingeliefert werden. Dessen Ehefrau, die die Polizei und Feuerwehr alarmierte, weckte auch den im Obergeschoss wohnenden Mieter. "Wenig später stand schon die Polizei vor meiner Tür", so der 57-Jährige. Er und die Ehefrau blieben unverletzt. In ihre Wohnungen konnten sie jedoch nicht zurück.

"Sie werden nicht obdachlos sein"

Während das Ehepaar bei den Kindern Unterschlupf fand, kümmerte sich Nadine Röger vom Sozialen Dienst der Wernigeröder Stadtverwaltung um den alleinstehenden Frührentner, zumal dieser keine Verwandschaft in der Stadt habe. Immer wieder fand sie tröstende Worte für den Mann, der sich selbst als "zu arm und mittellos" bezeichnete, "um sich noch einmal eine Wohnung einzurichten". Die Stadtangestellte versicherte, dass man ihm helfen werde. Nadine Röger: "Sie werden nicht obdachlos sein."

Gegen 9 Uhr wurde die weiträumige Absperrung der Straßen wieder aufgehoben. Bis dahin waren neben der Polizei rund 70 Feuerwehrfrauen und -männer aus Benzingerode, Blankenburg, Darlingerode, Minsleben, Reddeber, Silstedt und Wernigerode im Einsatz. Ein Feuerwehrmann verletzte sich bei einem Sturz.

Noch am Morgen nahm ein Spezialist der Kriminalpolizei die Ermittlung zur Brandursache auf. Als Schadenssumme "gehen wir von mindestens 150 000 Euro aus", sagte Peter Pogunke, Pressesprecher des Polizeireviers Harz in Halberstadt, auf Volksstimme-Nachfrage. Neben den beiden Wohnungen im Haus, das einem Malermeister gehört, der im Jerichower Land wohnt, sind auch die Büroräume der Kanzlei in Mitleidenschaft gezogen worden.

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