Abbenrode (rar). Seit Monaten ist der Jugendklub dicht. Inwiefern es für die Mädchen und Jungen im Ort tatsächlich keinen Bedarf geben soll, kann Ortsbürgermeister Wolfgang Mertins schwer nachvollziehen. "Ich war ja schließlich auch mal jung", meint er gegenüber der Volksstimme. In Abbenrode gibt es 920 Einwohner.

Der einst genutzte Raum in der "Baracke" bleibt auf unabsehbare Zeit verschlossen. Mertins: "Die Silvesterparty war das Einzige und Letzte, was dort wirklich funktioniert hat." Da sei man sowieso auf Krach eingestellt gewesen, so der Bürgermeister. Aber nach drei privaten Geburtstagsfeiern habe es mit den Nachbarn wegen des Lärms nach 22 Uhr stets Ärger gegeben.

Zudem sei man fusionsbedingt in der Gemeinde nur noch bedingt handlungsfähig. Zwar wollen die Abbenröder einen funktionierenden Jugendklub, dessen Fortbestand liege aber in den Händen der Veckenstedter Verwaltung. Auch dort sei während der letzten Monate nach einer Lösung gesucht worden. Offensichtlich bisher ohne Erfolg. Mertins: "Dabei hatten wir alle von der Landkreisverwaltung an uns herangetragenen Auflagen, wie zum Beispiel einen Fluchtweg, erfüllt. Wir brauchen jedoch einen Erwachsenen aus dem Ort, der die Aufsicht übernimmt." Selbst wenn es diesen gäbe, könne dieser wahrscheinlich nicht bezahlt werden.

"Ich war ja schließlich auch mal jung"

Dass die Jugendlichen sehr wohl ein Interesse am Fortbestand ihres Klubs haben, scheint außer Frage zu stehen. Erst vor einigen Wochen sind drei von ihnen bei Wolfgang Mertins vorstellig geworden und hätten sich nach dem aktuellen Stand erkundigt. Doch zu diesem Zeitpunkt gab es noch immer keine Lösung für den Nachwuchs. Zumal auch die Argumente der vom Lärm belästigten Anwohner keinesfalls ignoriert werden dürften. Sie wohnen schließlich keine hundert Meter von der "Baracke" entfernt. Außerdem haben sich die Feiern bei gutem Wetter auch draußen und nach 22 Uhr abgespielt.

Das Lärmproblem hat sich mit der Schließung aber nicht erledigt – nur verlagert. Ist das Wetter einigermaßen, kündet ein gleich gegenüber der "Baracke" stehendes Bus-Wartehäuschen davon, was als fragwürdige Alternative geblieben ist. Ein Ort, in dem sich kaum eine Stelle findet, die nicht mit Graffitis besprüht ist.

"Was sollen wir denn sonst machen? Hier ist doch der Hund begraben", meint ein Jugendlicher, der seinen Namen nicht nennen möchte. "Früher war hier echt mehr los. Wenn Du kein Moped oder Auto hast, bist du gleich erledigt." Schulterzuckend zieht er sich das Basecap noch tiefer ins Gesicht und verschwindet fröstelnd in der Dunkelheit. 22.30 Uhr – ein ganz normaler Sonnabendabend in Abbenrode.

 

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