Blankenburg. Es sei berühmt berüchtigt: das kleine Notizbuch, das Rüdiger Erben, Staatssekretär im Innenministerium, stets in seiner Jacket-Innentasche mit sich führt. Am Donnerstagmittag hatte er während seines Besuchs im Revierkommissariat Blankenburg – übrigens der erste seit seinem Amtsantritt im April 2006 –gleich einiges zu notieren. Und das waren allerhand Sorgen und Kritiken, die die Beamten seit langem beschäftigen.

Dienststellenleiter Hans-Joachim Busse bemängelte nicht nur den knappen Personalbestand, sondern auch die Überalterung der Kollegen. Guido Sünnemann, amtierender Chef des Reviers Harz, wurde konkret. Jüngst sei eine Streifenwagenbesatzung mit zwei Kollegen unterwegs gewesen – 58 und 59 Jahre alt. "Die kann ich nicht Samstag-abend zu einer Schlägerei nach Wernigerode schicken."

Polizeihauptkommissar Gerhard Schochardt vom Blankenburger Revierkommissariat sieht zunehmend Probleme, den Schichtdienst abzusichern. Oft würden die Dienstpläne durch kurzfristige Einsätze durcheinandergebracht. Das wirke sich nicht nur negativ auf die Motivation der Kollegen aus, sondern beeinflusse auch deren Familienleben über das normale Maß hinaus.

Aus seiner Sicht spiegeln auch die vorgelegten Statistiken nur die halbe Wahrheit wider: Die Anzeigen würden nicht zurückgehen, weil es weniger Straftaten gebe, sondern weil die Bürger enttäuscht seien von der Justiz, so die Erfahrung der Beamten.

Heftige Kritik musste sich Erben auch zur Beförderungspolitik anhören. Als Beispiel wurde eine Obermeisterin angeführt, die nach 19 Jahren das erste Mal befördert wurde. "Diese Politik ist verheerend", so Busse, der immerhin die Immobilie an der Herzogstraße lobte. Zwar sei sie nach elf Jahren inzwischen auch renovierungsbedürftig. "Aber da sind wir dran", sagte er.

Ein Leid ohne Ende

Darüber hinaus konnte Busse immerhin mit einer stolzen Zahl aufwarten. Die Aufklärungsquote in seinem Bereich liege mit 57 Prozent sogar über dem Landesdurchschnitt. "Das ist eine tolle Arbeit unserer sieben Kriminalisten."

Rüdiger Erben verwies in Blankenburg auf die 180 neu aufgenommenen Polizeianwärter und sprach sich dafür aus, sie deutlich schneller "in der Fläche" einzusetzen – konkret durch das Einsparen von Zeiten bei der Bereitschaftspolizei. Zudem habe die Fachhochschule in Aschersleben den klaren Auftrag, Polizeischüler im ganzen Land zu werben – von Zeitz bis Salzwedel. "Wir brauchen den Polizisten, der aus dem Dorf stammt und bereit ist, auch wieder auf‘s Dorf zu gehen", so der Staatssekretär. Zum Thema Beförderungen (Erben: "Ein Leid ohne Ende.") reichte er den Stab an Landtagsmitglied Ronald Brachmann weiter. Der SPD-Politiker: "Die Polizei im Land hat eine gute Lobby. Wir müssen gemeinsam versuchen, in den Haushaltsberatungen eine Schippe draufzulegen und uns der Frage stellen, zusätzlich Geld in die Hand zu nehmen. Denn Sicherheit gibt es nunmal nicht zum Nulltarif."

Wohl ebenso wenig, wie einen Fensterputzer. Auch dieses selbst schon von Passanten der Blankenburger Polizeidienststelle angemerkte Defizit notierte Rüdiger Erben in seinem Notizbuch und versprach: "Das wird alles abgearbeitet."