Festgefahren ist der Prozess, im Harzkreis eine gemeinsame Kreishandwerkerschaft zu bilden. Die Handwerkskammer in Magdeburg drängt auf eine Fusion, zuletzt mit dem Stellen eines Ultimatums zum 1. April. Die Volksstimme hat die Verantwortlichen in der Region um Stellungnahme gebeten.

Halberstadt/Quedlinburg/Wernigerode. Bis zum 1. April, so lautet das Ultimatum vom Kammerpräsidenten Werner Vesterling, sollen die drei Kreishandwerkerschaften einen entscheidenden Fusionsschritt vorangekommen sein (Volksstimme berichtete). 14 Tage vor diesem Termin hat die Volksstimme die beteiligten Kreishandwerkerschaften aus Halberstadt, Quedlinburg und Wernigerode nach dem Stand der Dinge gefragt.

In einer gemeinsamen Stellungnahme betonen die Kreishandwerksmeister Andreas Röber (Halberstadt) und Henri Mechnik (Harzland-Staßfurt), sie halten am Ziel fest: "Eine gemeinsame Kreishandwerkerschaft aller Kreishandwerkerschaften, die ihren Sitz in den politischen Grenzen des Harzkreises haben, gründen zu wollen." Aus Wernigerode heißt es ebenso, so Kreishandwerksmeister Heinz Sallier, stets habe man sich hinter die auch im Gesetz aufgestellte Forderung gestellt: ein Kreis – eine Kreishandwerkerschaft.

Problematisch an der Harzer Fusion ist eine Quedlinburger Besonderheit: Die Handwerkerschaft dort hat zahlreiche Innungsbetriebe im Salzlandkreis. Das führt in den bisherigen Gesprächen zur Forderung, Fusionsverhandlungen nur dann aufzunehmen, wenn auch der frühere Kreis Aschersleben-Staßfurt dem Harzkreis zugeordnet werde. Wie Sallier mitteilte, hätten die Wernigeröder auf diese nicht gesetzeskonforme Forderung mit einem Kompromissvorschlag reagiert: Die gemeinsame Harzer Kreishandwerkerschaft solle zusätzlich Innungen aus dem Aschersleben-Staßfurter Bereich betreuen.

Röber und Mechnik erneuerten jetzt ihre Bereitschaft, einen weiteren Anlauf zu nehmen: "Wir sind bereit, in der Phase der Kooperation die Fusionsverhandlungen in einem paritätisch besetzten Beirat aktiv zu unterstützen."

Es ist der offene Streit um Stimmrechte, der das Zusammengehen bis heute verhindert. Die größte Sorge dabei aus Wernigerode ist, dass eine Forderung aus der Harzland-Staßfurter-Handwerkerschaft erfüllt würde, wonach die Obermeister dort ein "gleichgewichtiges Stimmrecht" erhielten. "Das würde Obermeistern aus Aschersleben oder Staßfurt die Möglichkeit eröffnen, Kreishandwerksmeister im Harzkreis zu werden", macht Ulrich Reinhardt als Geschäftsführer der Wernigeröder Handwerkerschaft deutlich.

Ebenso problematisch sei, dass das bei Fusionen im Kammerbezirk bewährte Einstimmigkeitsprinzip zugunsten von Mehrheitsbeschlüssen ausgehebelt werden solle, so Reinhardt. Die Wernigeröder Sorge dabei ist, bei künftigen Beschlüssen zur Zukunft des Harzer Handwerks im Verhältnis 2:1 zu unterliegen.

Auf solche Details gehen der Halberstädter Kreishandwerksmeister und sein Kollege aus Aschersleben nicht ein. Sie sprechen sich für den "Erhalt der regionalen Betreuung und eine perspektivische Sichtweise aus". Ihr Ziel sei, alles zu verhindern, was "zur Spaltung des Handwerks durch Zerstörung von gewachsenen Strukturen und damit zur Schwächung unserer regionalen Vertretung führt".

Die Rolle der Magdeburger Kammer bleibt angesichts der lähmenden Fusionsquerelen unklar. Einerseits wird stets auf die Selbständigkeit der Handwerkerschaften vor Ort verwiesen, andererseits Druck ausgeübt: Seit mehr als einem Jahr fließt kein Geld der Kammer an die beteiligten Handwerkerschaften, jetzt wurde der 1. April als Ultimatum genannt.

Die Reaktion aus Wernigerode darauf: "Aus reiner Hilflosigkeit droht uns die Kammer mit aufsichtsrechtlichen Schritten. Wir sind gespannt, welche Anordnungen getroffen werden und sind überzeugt, dass diese rechtlich nicht zulässig sind."