Was tun, wenn junge Leute mit dem Gesetz in Konflikt kommen? Andere junge Leute mit Ausbildung und Engagement über sie urteilen, "richten" lassen! So die Erfahrung beim "Anti-Gewalt-Zentrum Harz". Der Verein hat nun neun Schülerrichter mehr.

Magdeburg/Elbingerode (pwr/bfa). Die Schülergremien gegen Streit und gegen Gewalt von jungen Leuten arbeiten, nun sogar mit neuen Auszeichnungen von "ganz oben".

Justizministerin Angela Kolb überreichte unlängst neun weiteren "Schülerrichtern" aus dem Harzkreis die Zertifikate. Engagierte junge Leute aus Quedlinburg, Thale und Rübeland hatten dazu die Ausbildung im Anti-Gewalt-Zentrum Harz bei Evelyn Zinke (Elbingerode) absolviert und fuhren nach Magdeburg.

"Ich freue mich, dass wir einen regen Zulauf für die Tätigkeit in den Schülergremien verzeichnen", so Ministerin Kolb erfreut über das Engagement der jungen Leute. "Diese Gremien leisten einen nicht zu unterschätzenden Beitrag im Kampf gegen Jugendkriminalität", so die Ministerin weiter.

Die Schülerinnen und Schüler hatten seit September 2010 bis Februar 2011 an einer Ausbildung zum ehrenamtlichen Gremiumsmitglied im "Projekt Schülergremien" (PSG) teilgenommen. In 50 Unterrichtseinheiten je 45 Minuten lernten sie den Umgang mit Paragrafen sowie gewaltbereiten Altersgefährten. Sie sind nun befähigt, sich als Mitglied eines dreiköpfigen Gremiums auf Veranlassung der zuständigen Staatsanwaltschaft mit straffällig gewordenen Jugendlichen auseinanderzusetzen. Bei Vorliegen leichterer Delikte können so in Gesprächen erzieherische Maßnahmen festgelegt werden, bevor es zu einer Anklage vor Gericht kommt.

Von Ladendiebstahl bis Sachbeschädigung

Die Schulungen wurden von Fachleuten des Trägervereins "Anti-Gewalt-Zentrum Harz" angeleitet. In die Ausbildung wurden Vertreter der Jugendberatungsstellen bei der Polizei, Jugendgerichtshilfe, der Staatsanwaltschaft und des Sozialen Dienstes der Justiz als Referenten mit einbezogen.

Hintergrund: Die Schülergremien sind im staatsanwaltschaftlichen Ermittlungsverfahren angesiedelt. Hier eröffnet das Gesetz die Möglichkeit, dass in bestimmten Fällen ein Verfahren ohne Anklage und Gerichtsentscheidung beendet werden kann. Für jugendliche Straftäter kommt dabei die Verhängung anderer erzieherischer Maßnahmen in Betracht. Polizei und Staatsanwaltschaft prüfen, welche Fälle für ein Verfahren vor dem Schülergremium geeignet sind.

Der in Betracht kommende Deliktkatalog umfasst zum Beispiel Ladendiebstahl, Fahren ohne Fahrerlaubnis und Sachbeschädigung. In Elbingerode gibt es in der Arbeit gegen Gewalt unter jungen Leuten schon eine längere Tradition im Jugendtreff der Stadt Oberharz und auch an der Sekundarschule "Bodfeld".

Interessierte junge Leute können sich für eine Ausbildung und Mitarbeit als Schülerschlichter am besten über E-Mail beim Team um Evelyn Zinke melden. Infos dazu:

agz-harz.de

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