Ilsenburg (rar). Wahrscheinlich hätte man mit dem "livehaftigen" Otto in der Harzlandhalle wenig Schwierigkeiten gehabt, jede der 1914 Eintrittskarten zweimal zu verkaufen. Die Kennzeichen auf dem übervollen Parkplatz sprachen eine deutliche Sprache: Hamburg, Bochum, Stendal, Eisleben, Nordhausen, Halle/Saale und Magdeburg. Indizien dafür, welche riesigen Entfernungen manche in Kauf nehmen, um das deutsche Urgestein der Comedy (gleich nach Heinz Ehrhardt), endlich mal live zu erleben. Darunter auch, wie schon beim ersten Auftritt Ottos in der Harzlandhalle, wieder jede Menge Kinder. Wer Glück hatte, konnte sogar einen der plüschigen "Ottifanten" fangen, die der Friese reihenweise der "Kindermeute" von der Bühne entgegenwarf.

Ob bei "Marmor, Stein und Eisen bricht", Marianne Rosenbergs "Er gehört zu mir" oder Udo Jürgens "Aber bitte mit Sahne" – wenn Otto in die Saiten seiner Gitarre greift, genügen zwei Takte, und der ganze Saal singt und klatscht mit. "Habe das Gefühl, ich hätte Eintritt bezahlen müssen. Was haben sie sonst noch so in ihrer Show? Sie hätten ja fast bei DSDS mitmachen können. Da hätten sie den zweiten Preis gewonnen und Dieter Bohlen die Hand schütteln können. Wie bitte? Sie hätten ihn lieber in den A … getreten? Na das ist der erste Preis", blödelte Otto.

Wenn der Emdener, der mit elf Jahren erstmals in einem Kaufhaus auftrat, die Schirmmütze abnimmt, kommt seine größer gewordene "Werbefläche" im Scheinwerferlicht erst so richtig zur Geltung. Sein Lohn damals übrigens ein Buch und ein Gutschein über 30 Mark. Zum Vergleich: Jetzt hatte in der Harzlandhalle jeder Besucher fast 42 Euro für den Eintritt zu berappen.

"Habe den Eindruck, i c h hätte Eintritt bezahlen müssen"

Otto mit Erinnerungen an seine Oma, die ihren Mann fragt: "Weißt du eigentlich, wie viel du trinken darfst, um auf 0,5 Promille zu kommen?" Opa daraufhin: "Na klar: drei Wochen gar nichts!"

Wie exzellent sich der Frieseauf seine Physiognomie versteht, beweist er eindrucksvoll beim "Kleinen grünen Kaktus" der Comedian Harmonists. Gleich mehrfach wird das Publikum zur Imitation von Geräuschen animiert. Das klappt beim täuschend echten Kuckucksruf ebenso hervorragend wie beim grusligen Rufen der Schakale. Erst beim akustischen Nachahmen von Nebel versagen die "Ottonen im Saal" kläglich. Ottos Kalauer, seine Situationskomik und nicht zuletzt die musikalische Begabung des mittlerweile 62-Jährigen sind seit Jahrzehnten Garanten für Zwerchfellattacken am Fließband. Der Auftakt zu seiner neuen Tour in Ilsenburg hat da keine Ausnahme gemacht.

   

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