Darlingerode (rar). Die Spielmöglichkeiten in Darlingerodes beschaulichem Neubaugebiet sind begrenzt. Genau genommen gibt es inmitten der idyllischen Reihen- und Einfamilienhäuser sowieso nur eine richtige Möglichkeit zum Austoben: die Spielanlage im Kossatenweg.

Doch weil ausgerechnet an dessen großen Klettergerüst die Balken über die Jahre durchgefault sind, sah sich die Stadtverwaltung Ilsenburgs zur Sperrung veranlasst. Eine durchaus übliche Vorkehrung, und zwar bevor etwas passiert und sich ein Kind verletzt. Aber diesen ist das aufgehängte Sperrschild oft egal, oder sie können es gar nicht erst lesen. Und dass Eltern wie die Familie Knetsch und Enrico Modemann ihre Kleinen vor dem Betreten ausdrücklich gewarnt haben, ist beim übermütigen Toben längst in Vergessenheit geraten. So spielen einige Kinder weiter – so lange, wie die maroden Holzbalken die Fliegengewichte noch tragen. Im schlimmsten Fall tun sie das schon heute nicht mehr. Das Amt ist seiner Sorgfaltspflicht, formal gesehen, nachgekommen. Aber reicht das?

Doch seit der Schließung macht sich, insbesondere unter jenen Darlingerödern mit kleinen Kindern, Unmut breit. Es hagelt Kritik von allen Seiten,. Viele Eltern befürchten, dass man es mit einem Verbotsschild bewenden lassen will. Immerhin gelten ja auch die anderen Spielgeräte als verschlissen. Die Wippe ist seit dem Herbst 2010 nicht mehr voll funktionstüchtig. Über Nacht verschwanden dort die Autoreifen zum Abfedern, berichten Betroffene.

Stadt im Zugzwang

Unterdessen haben sich die Anwohner selbst geholfen. Kürzlich wurde ein Wochenendeinsatz gestartet. Dennoch fühlen sich die Familien mit dem Problem allein gelassen. Nicht nur Familie Knetsch möchte dringend wissen, was die Stadt Ilsenburg, ungeachtet ihrer angespannten Haushaltslage, kurzfristig zu tun gedenkt. Auch der 37-jährige Enrico Modemann, der nur einen Steinwurf vom Spielplatz entfernt wohnt, sieht akuten Handlungsbedarf. Er sagt: "Hier sollte die Stadt endlich mal etwas tun. Nahezu täglich kann man Kinder auf dem Gerüst beobachten." Immerhin sind die nächsten Monate jene, in denen Spielplätze üblicherweise am stärksten frequentiert werden. Und das gilt im konkreten Fall nicht etwa nur für besonders kleine Kinder. Im Kossatenweg waren schon immer alle Altersgruppen anzutreffen. Deshalb fordern die meisten Eltern, das jetzt etwas geschehen muss, und keineswegs erst im Herbst, Winter oder gar mit dem nächsten Haushaltsplan für 2012.

Unterdessen hat das Thema erstmals eine Rolle im Stadtrat gespielt. Angesprochen hatte es in dieser Woche der SPD-Fraktionsvorsitzende Wilfried Obermüller. Eine Diskussion über das weitere Vorgehen oder gar einen Beschluss konnte es aber noch nicht geben.