Die Idee, Blankenburg künftig vielleicht " Welfenstadt " zu nennen, bewegt nicht nur die Blankenburger. Pro und kontra kommen auch aus umliegenden Orten. Senden auch Sie uns Ihre Meinung.

Blankenburg. Soll die Stadt Blankenburg einen offiziellen Beinamen " Welfenstadt " erhalten ? Dazu gibt es seit Monaten pro und kontra der Volksstimme-Leser. Doch nicht nur Blankenburger bewegt dieses Thema. Die jüngsten Veröffentlichungen waren auch Anlass für Rolf Stuhldreier aus Drübeck, einige Dinge zur Beziehung des Welfenhauses zu Blankenburg und geschichtliche Zusammenhänge aus seiner Sicht darzulegen.

Stuhldreier erinnert unter anderem an das Jahr 1714, als Herzog Ludwig-Rudolf zu Braunschweig-Lüneburg das Fürstentum Blankenburg übernahm : " Durch barocke Hofhaltung – sprich Verschwendungssucht–warseineRegierungszeit geprägt. Als 1731 Ludwig-Rudolf seine Residenz nach Wolfenbüttel verlegte, war die Zeit als Landeshauptstadt für Blankenburg vorbei. Das Schloss und die Stadt wurden dem Verfall preisgegeben ", so der Drübecker.

1831 dann ein Zwischenspiel : Das Schloss wurde Jagdschloss von Herzog Wilhelm. 1914 zog der letzte regierende Herzog, Ernst August zu Braunschweig-Lüneburg auf dem Schloss ein. 1925 erhielt der Herzog als Entschädigung für seine Machtaufgabe das Große und das Kleine Schloss, vier Domänen, ein Gestüt und 44 000 Morgen Wald. Daraufhin verlegte er seinen Wohnsitz 1926 wieder nach Blankenburg. Aufgrund der Verwandtschaft mit dem englischen Königshaus erhielt der Herzog die Information, dass bei der Teilung Deutschlands das Gebiet um Blankenburg sowjetische Besatzungszone wird. So hatte er die Möglichkeit, unter englischem Begleitschutz die gesamte Schlosseinrichtung auf die Marienburg zu transportieren. " Blankenburg und seine Bürger adé – Hauptsache, wir haben unser Schäfchen im Trocknen ", kommentiert Stuhldreier die Flucht der Welfenfamilie in den Westen.

" Die Welfen hätten die Chance gehabt, als der Planet Harz über Blankenburg verglüht ist, etwas für die Stadt Blankenburg zu tun. Mir ist nichts bekannt geworden ", so Stuhldreier. Für ihn bleibt die Frage : " Wann ist es soweit, dass die Befürworter in Hannover Klinkenputzen gehen, um diesen so wertvollen Titel führen zu dürfen ? Man könnte ja zur Not als Ausgleich und Entschädigung ein renoviertes Schloss anbieten ", meint er sarkastisch.

Chance vertan ?

Bernd Schlenker aus Blankenburg fragt : " Gibt es nicht in der Region genug andere Probleme, oder möchten die Herrschaften um Andreas Pawel nur im Hinblick auf die Wahlen von diesen Problemen ablenken ?". Er glaube nicht, dass es sich die Stadt Blankenburg, aber auch nicht die Region, leisten könne, Zahlungen an das Welfenhaus zu leisten. " Denn die würden der Stadt bei Verwendung des Namens, Welfen ‘ unweigerlich entstehen ", meint Schlenker.

Die Chance, mit Hilfe des Fürstenhauses zu einem Zentrum des Tourismus und damit zu Wohlstand zu kommen, sei bereits vertan worden. Vielmehr habe man auf windige Investoren gesetzt. " Jeder sollte bestrebt sein, für die Stadt und die Region das Beste zu erreichen. Dazu gehört unter anderem auch, dass sich Vereine, kommunale Einrichtungen und private Initiativen an einen Tisch setzen und gemeinsam einen Ausweg aus diesem Dilemma suchen und sicher auch finden. Potentiale dazu sind doch reichlich vorhanden ", so Schlenker. Seiner Meinung nach sei schon viel zu lange auf eingeschliffenen Pfaden gegangen worden.