Heute ist der Internationale Frauentag. Die Volksstimme besuchte eine Wernigeröderin, die sich gleichermaßen für die Frauen und Männer dieser Stadt einsetzt – die Gleichstellungsbeauftragte Jana Diesener. Sie erklärt auch, warum der Frauentag beliebter denn je ist.

Wernigerode. Wer die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Wernigerode in ihrem Büro am Nicolaiplatz besucht, wird herzlich empfangen. Auf einem kleinen weißen Holztablett serviert Jana Diesener Tee in rosafarbenen und hellblauen Bechern. Die Dekoration für die Frauentagsfeier im Rathaus liegt bereits auf dem Tisch. In den Regalen stehen ordentlich sortierte Aktenordner neben Büchern und Unterlagen. An der Wand hängt ein Gewaltpräventions-Poster mit der Aufschrift " Wehr dich !", in einer Ecke sitzen kleine Puppen in pinkfarbenen Kleidern. " Die sind für die Kinder, die mit ihren Müttern zu Besuch kommen ", erklärt die Wernigeröderin. " Damit sie sich nicht langweilen, wenn die Erwachsenen etwas besprechen. "

Frauen, die bei Jana Diesener Rat suchen, gibt es genug, denn sie ist nicht nur AnsprechpartnerinfürMitarbeiter der Stadtverwaltung, sondern auch für alle anderen Wernigeröder, die Hilfe brauchen – egal ob beruflich oder privat. " Ich versuche, ihnen Wege aufzuzeigen, Kontakte zu vermitteln. " Viele Frauen wissen zum Beispiel nicht, wie sie den Spagat zwischen Familie und Beruf schaffen sollen. Aber auch Männer, die ihren Vaterschaftsurlaub wahrnehmen möchten, bitten um ihren Rat. Das Wichtigste für die 38-Jährige : Alle Probleme, die man ihr erzählt, werden streng vertraulich behandelt.

Die beratende Funktion ist allerdings nur ein Teil ihrer Arbeit : Eine enge Kooperation mit der Volkssolidarität, dem Frauenzentrum, der Ländlichen Erwachsenenbildung und der Hochschule Harz, sowie Vorträge, Seminare und ihr Engagement im Bündnis für Familien gehören ebenfalls zu ihrem Alltag.

Was sie am meisten an ihrem Job liebt ? Die Vielseitigkeit. " Jeder Tag ist anders und im Voraus oft nicht planbar. " Am schönsten sei es, dass man trotz kleinschrittiger Arbeit am Ende etwas bewegen könne.

" Die Stadtverwaltung ist übrigens verpflichtet, eine Gleichstellungsbeauftragte

einzustellen, sobald die Stadt mehr als 25 000 Einwohner hat ", erklärt Jana Diesener. Trotzdem wolle sie nicht, dass der Eindruck entsteht, die Frauen in Wernigerode kämen alleine nicht zurecht. Im Gegenteil : " Es gibt hier viele gestandene Frauen, die Familie und Beruf sehr gut vereinbaren. Und für die, die zusätzlich Unterstützung brauchen, bin ich da. "

In die Zukunft blickt sie optimistisch : " Frauen haben mittlerweile die gleichen Rechte wie Männer. Sie müssen nur lernen, auch genauso stark dafür einzutreten. " Dass es im Jahr 2010 immer noch einen internationalen Frauentag gibt, findet sie einerseits " schade ", da es nun mal Männer und Frauen gebe und " wir keine Konkurrenten sein sollten ". Andererseits sei der Ehrentag beliebter denn je. " Die Karten für unsere Frauentagsfeier waren diesmal innerhalb von zwei Stunden ausverkauft. " Für die Frauen sei es nach wie vor wichtig, dass sie sich anerkannt und beachtet fühlen. Und dies vollkommen zurecht, schließlich müsse daran erinnert werden, " dass Wernigerode ohne starke Frauen nicht ganz so bunt wäre. "