In Kürze beginnt die Bodensanierung auf dem Gelände der einstigen chemischen Reinigung ( Reintex ) an der Oberengengasse. Dies ist notwendig, weil Boden und Grundwasser mit Lösungsmitteln verseucht sind. Die Anwohner sehen den Arbeiten mit Sorge entgegen.

Wernigerode. Jahrzehntelang sickerten auf dem Gelände der ehemaligen chemischen Reinigung an der Oberengengasse giftige Lösungsmittel in den Boden. Mitten im Altstadtkern von Wernigerode. Mittlerweile befindet sich die Fläche in Privatbesitz und soll als Parkplatz genutzt werden. Der Boden ist jedoch immer noch belastet. Deshalb soll das verunreinigte Erdreich jetzt abgetragen werden. Grabungen bis zu einer Tiefe von sechs Meter sind dafür notwendig.

Darüber wurden auch die unmittelbaren Nachbarn in der Oberengengasse informiert, und die sind jetzt in großer Sorge.

" Was ist, wenn durch Erdbewegungen unsere Häuser beschädigt werden, wenn im schlimmsten Fall gar die Straße absackt ?", fragt beispielsweise eine besorgte Anwohnerin. Dazu Baulärm, Dreck. Schwere Laster und andere Baufahrzeuge würden die Straße wochenlang befahren. Schon bei den letzten Straßenarbeiten habe sich ihr Gebäude geneigt. Fakt ist : Die Oberengengasse und auch die umliegenden Straßenzüge sind sehr eng bebaut, Häuser und Fundamente mehrere Jahrhunderte alt.

" Dennoch, ich sehe keine Probleme ", sagt Christine Werner, Chefin des Kreisumweltamtes, auf Volksstimme-Nachfrage. Ihre Behörde ist nach dem Bundes-Bodenschutzgesetz für die Ermittlung von altlastverdächtigen Flächen zuständig und veranlasst auch deren Sanierung. " Uns ist schon lange bekannt, dass dieses Gelände verunreinigt ist ", so Werner. Das hätten mehrere Messungen ergeben. Besonders fatal : Das Grundwasser liegt dort nur 2 bis 2, 5 Meter unter der Erdoberfläche. Das heißt, die giftigen Stoffe sickern seit Jahren ungehindert ins Grundwasser und breiten sich mit dessen Fließrichtung weiter aus. " Und das müssen wir stoppen ", so die Amtsleiterin. Aber das koste eben Zeit und auch viel Geld. Inzwischen seien jedoch mit dem jetzigen Besitzer des Areals alle Absprachen getroffen und mit der Landesanstalt für Altlastenfreistellung ein Geldgeber gefunden worden. Die Behörde finanziert das Projekt zu 100 Prozent.

" Wir wollen nichts verheimlichen "

" Es gibt zwei Sanierungsbereiche ", erläutert Stefan Demus von der Gesellschaft für Umweltsanierungstechnologien

( Merseburg ). Er und seine Kollegen sind für Planung und Bauüberwachung verantwortlich. Einmal wird im hinteren Bereich des Geländes geschachtet und einmal direkt an der Straße auf einer Fläche von etwa 100 m. " Ich kann die Sorgen der Nachbarn durchaus verstehen ", so der Diplommineraloge. " Aber wenn die Arbeiten fachgerecht ausgeführt werden, passiert da nichts. " 1, 50 Meter Sicherheitsabstand zur Straße, zudem werden Grabenverbauplatten verwendet, um die Gruben zu sichern. " Wir schachten unterschiedlich tief und immer nur so tief, wie wir müssen. " Durch Messungen wüssten sie genau, in welcher Tiefe sich die Schadstoffquellen befinden. Um die Baustelle trockenzulegen, müsse dort zudem das Grundwasser abgepumpt werden. " Es wird gleichzeitig gereinigt ", so Demus. Der belastete Boden soll ohne Zwischenlagerung sofort abtransportiert und fachgerecht entsorgt werden. Die Gruben werden anschließend mit sauberer Erde verfüllt und verdichtet. Auch danach werden Grundwasser und Boden weiter kontrolliert.

Schon in den nächsten Tagen finden vorbereitende Arbeiten statt, in der nächsten Woche, nachdem die Baugenehmigung erteilt wurde, soll die eigentliche Sanierung beginnen und Ende März abgeschlossen sein.

Noch in dieser Woche wird die sogenannte Beweissicherung vorgenommen. Das heißt, Risse an den umliegenden Gebäuden werden dokumentiert – für den eventuellen Schadensfall. Jedoch nur von außen. " Was ist, wenn Risse nur innerhalb des Hauses zu sehen sind, wenn Fließen platzen, wenn sich Türrahmen verziehen ?", will ein Nachbar wissen. " Wer haftet dann für den Schaden ?" Die betroffenen Anwohner haben sich inzwischen juristischen Beistand gesucht, zudem soll noch ein Bausachverständer bestellt werden.

" Wir wollen auf keinen Fall etwas verheimlichen ", betont Stefan Demus. So wurden die Nachbarn bereits zu einem Infotermin vor Ort eingeladen. Christine Werner : " Hier wird etwas Gutes für die Umwelt getan, und letztlich profitieren davon auch die Anwohner. "