Hat Schierke eine rosige Zukunft als Touristenmagnet vor sich ? Die erste Weiche dafür ist am Dienstag gestellt worden. Der Ortschaftsrat segnete das Entwicklungskonzept von Prof. Wolf R. Eisentraut ab. Oberbürgermeister Peter Gaffert hatte den Berliner Architekten damit beauftragt.

Schierke. Vom Straßendorf zum Touristenmagneten und attraktiven Kurort. Diese Entwicklung soll Schierke in den nächsten Jahren nehmen, wenn es nach Wernigerodes Oberbürgermeister Peter Gaffert geht. Vor knapp drei Monaten stellte Architekturprofessor Wolf R. Eisentraut den Schierkern sein Ortsentwicklungskonzept vor und erntete damit viel Zuspruch ( wir berichteten ). Inzwischen hat der Berliner seine Ideen reifen lassen, seine Vorschläge konkretisiert.

" Sie haben hier tolle Voraussetzungen ", lobte Eisentraut am Dienstagabend bei seiner zweiten Präsentation – diesmal im Rathaus vor dem Schierker Ortschaftsrat. " Brocken, Wald, Nationalpark – alles Einmaligkeiten, die kaum ein anderer Ort vorweisen kann. " Die Übernachtungszahlen seien " beachtlich ", aber steigerungsfähig, denn es bleibe zu wenig Geld im Ort.

" Doch wieso sollen die Besucher überhaupt nach Schierke kommen ?" Mit dieser Frage war Eisentraut am Ende seines Lobes angelangt und fand nun harte Worte. " Was ist der erste Eindruck, den Auswärtige von Schierke bekommen ? Ein altes Heizhaus und ein totes Hotel am Ortseingang. " Das sei wie ein Plakat mit der Aufschrift " Hier ist nichts los ". Der Kurpark, das herrliche Bodetal, die Wintersportmöglichkeiten lägen alle versteckt, würden kaum wahrgenommen werden. Eine Ortsmitte fehlt. Auf der anderen Seite ziehen sich Autokolonnen durch Schierke – Touristen, die nach einem Parkplatz suchen. Die Schönheiten des Ortes seien nur " unter Lebensgefahr " zu erschließen. " Dabei soll man hier doch verweilen können. "

Was also tun ? Den " Suchverkehr " aus Schierke verbannen, alle anderen Fahrzeuge umleiten und die vielbefahrene Brockenstraße zur Bummelpromenade mit überdachtem Kolonadengang und Wegen, die in den Park und ins Bodetal führen, umgestalten.

Und wo bleiben die Autos ? Darüber habe es lange Diskussionen gegeben, so der Professor. " Wir haben verschiedene Verkehrsszenarien durchgespielt und uns am Ende für eine Mittellösung – nämlich einen extrem verkehrsberuhigten Ort – entschieden. " Die Autos sollten draußen-, die Besucher aber nicht wegbleiben. Die Lösung sei ein großer Parkplatz am Ortseingang und ein Shuttlebussystem, das die Gäste nach Schierke herein und zu seinen Attraktionen sowie zum Bahnhof führt. Der Durchgangsverkehr werde einfach um Schierke herumgeführt, einmal über den ausgebauten Otto- und Hermann-Löns-Weg und zurück auf die Brockenstraße und außerdem über die Alte Wernigeröder und die Sandbrinkstraße.

Zudem sieht das Konzept vor, den Kurpark mit einer Freilichtbühne und einem Kurhaus zu verschönern, einen Steg über die Bode zu ziehen, den Bodeweg auszubauen und auf der anderen Seite des Flusses ein Wintersportzentrum mit Seilbahnanschluss zum Wurmberg entstehen zu lassen. Auch im Sommer soll Schierke Touristen anziehen, z. B. mit einem Kletterpark, einem Naturbad und einer Sommerrodelbahn. Dazu ein attraktives Wegenetz für Spaziergänger.

Parallel dazu müssten Investorengespräche stattfinden, um die leerstehenden Hotels wieder zu beleben. " Schierke sollte Unterkünfte in allen Kategorien anbieten ", so Eisentraut. Vor allem Hotels der oberen Kategorien würden noch fehlen – mit Gästen, die auch Geld im Ort ausgeben. All diese Ideen müssen nun mit Leben erfüllt werden. " Das ist eine große Aufgabe ", kündigte der Architekt an. " Und Fördergeld gibt es nur, wenn ein klares Ortsentwicklungskonzept vorliegt, das von allen getragen wird. "

Der Grundstein dafür wurde bereits am Dienstag gelegt : Die Schierker Ratsleute segneten das Konzept ab. Im März wird es noch einmal gemeinsam mit dem Bauausschuss beraten, schon Anfang Mai soll im Stadtrat darüber beschlossen werden. " Das haben Sie ganz toll gemacht ", sprach eine Schierkerin Eisentraut nach seiner Präsentation an. " Sie geben uns Hoffnung. Und selbst wenn wir von all dem nicht mehr profitieren können, dann aber unsere Kinder. "

Übrigens : An dem Abend wurden noch weitere Weichen für Schierkes Zukunft gestellt. Der Ortschaftsrat wählte Christiane Hopstock zur Bürgermeisterin und Marius Michael ( beide Bund Schierker Bürger ) zu ihrem Stellvertreter. Christiane Hopstock bedankte sich bei ihren Ortschaftsräten und ihren Schierkern für das Vertrauen. " Ich weiß, welches Erbe ich hier antrete. " Durch die Eingemeindung nach Wernigerode habe der Ort endlich den Stellenwert gefunden, nach dem jahrelang gesucht wurde. " Ich freue mich darauf, dass wir diesen Ort nun gemeinsam entwickeln. " Übrigens