Wernigerode. Die Wendezeit wurde wieder lebendig, als sich der SPD-Ortsverein am Montagabend in der Remise des Kunst- und Kulturvereins zur Geburtstagsfeier versammelte.

Die traditionsreiche Partei, die ihre Wurzeln im Allgemeinen Deutschen Arbeiterbildungsverein hat, der 1869 hier sein Wirken begann, hatte am 11. November 1900 ihren ersten Wernigeröder Ortsverein gegründet. Nach der Zerschlagung während der Nazizeit gab es unmittelbar nach dem 2. Weltkrieg eine Wiedergründung. Es folgte die Zwangsvereinigung von KPD und SPD. Erst die politische Wende ermöglichte wieder ein eigenständiges Handeln. Nachdem es 1989 einen ersten Anlauf dazu gegeben hatte, versammelten sich am 2. Januar 1990 17 Frauen und Männer, um wieder einen eigenständigen sozialdemokratischen Ortsverein zu bilden.

Daran erinnerten am Montag Frauen und Männer, die diese bewegte Zeit entweder selbst aktiv mitgestaltet hatten oder Jüngere, die sich dafür interessierten. Umrahmt wurde die Veranstaltung u. a. durch musikalische Beiträge von Franziska Gruschka und dem Liedermacher Ralf Mattern, der z. B. zum Auftakt ein Lied aus dem Jahr 1988 darbot, das die Verseuchung der Umwelt, mit verursacht durch Giftmüllimporte, thematisierte.

Siegfried Siegel gehörte im Wendejahr zu jenen, die sich für den Neuanfang der Wernigeröder Sozialdemokratie engagiert hatten. So wurde er jetzt wie weitere 64 Frauen und Männer, die zwischen Januar und Anfang März dieser Partei beitraten, mit einer Urkunde für 20-jährige Mitgliedschaft geehrt. Zusätzlich erhielt Siegel ein persönliches Geschenk. Er als Zeitzeuge war es auch, der mit zum Teil humorvollen Schilderungen die Wendezeit wieder lebendig werden ließ. Da damals das Parteibüro mit in der sich auflösenden SEDKreisleitung befand, sicherte er plötzlich herrenlos gewordenes Schriftgut mit zum Teil heute unglaublich erscheinenden Auflagen und Berichten. Wie die Situation damals war, belegte eine andere Begebenheit. Die Köchinnen der SED-Kreisleitung versorgten einige Tage die Sozialdemokraten mit. Es war aber niemand mehr da, der sich noch zuständig fühlte, um das Essengeld zu kassieren.

Siegfried Siegel dankte erfahrenen Sozialdemokraten wie Sigmar Gabriel, Peter Eckart und Volker Taube aus Goslar sowie Klaus Lais und Wolfgang Reßmann aus Wernigerodes Partnerstadt Neustadt an der Weinstraße, die uneigennützig ihren Erfahrungsschatz weitergaben und mit Rat und Tat die Wiedergründung unterstützten. An der Jubiläumsfeier nahmen u. a. auch der SPD-Landtagsabgeordnete Ronald Brachmann und der SPD-Kreisvorsitzende Michael Schubert teil. 20 Jahre nach der Wiedergründung bilanzierte Siegfried Siegel eine erfolgreiche sozialdemokratische Arbeit in Wernigerode. Dazu zählte er, dass seit 1994 die von der SPD unterstützten Oberbürgermeisterkandidaten gewählt wurden und wie Ludwig Hoffmann, jetziger SPDOrtsvereinsvorsitzender, gute Arbeit geleistet hätten bzw. Peter Gaffert leisten. Unterstützung gewähren ihm die 13 Stadträte. Der Ortsverein hat momentan 74 Mitglieder.