Wernigerode. Die Tinte unter dem knapp eine Millionen Euro teuren Vertrag war noch nicht getrocknet ( Seite 1 ), da verschaffte Uwe Heuck seinem Ärger Luft. Der Chef des Fördervereins für das Philharmonische Kammerorchester Wernigerode beklagte sich, sein Bündnis – das immerhin einen Teil der engagierten Bürgerschaft verkörpere –seivondenVerhandlungen über diesen gerade signierten Kontrakt ausgegrenzt worden. Da, wie Heuck ausdrücklich betonte, unter den übrigen Gesellschaftern kein Dissens bestehe, wäre dies – bliebe dieser Vorgang einmalig – wohl irgendwie noch zu verschmerzen.

Nach monatelangen Verhandlungen von Kultusministerium und Verantwortlichen in der Harzer Kreis- und der Wernigeröder Stadtverwaltung liegt ein neuer Vertrag für das Kammerorchester vor. Sowohl der Kreistag als auch der Stadtrat haben diesen bereits gebilligt. Eigentlich ein Grund zur Freude, zumal sich alle Beteiligten beinahe darin überbieten, das Ensemble um Musikdirektor Christian Fitzner zu loben. Man wolle ein " qualitativ hochwertiges Angebot sichern ", hieß es, und auch, der Vertrag sei " eine Anerkennung der kulturpolitischen Arbeit vor Ort ".

Fitzner gab sich höflich und bescheiden, da es " gerade in diesen Tagen nicht selbstverständlich ist, dass eine solche Förderung ausgesprochen wird ". Der Orchesterchef sagte auch ganz deutlich, man habe bereits 1995 als eines der ersten Ensembles im Land einen Haustarifvertrag geschlossen. Dieser Schritt sei richtig gewesen – das wisse man heute. Und obendrein kündigte der Musiker an, seine Kollegen werden in den kommenden drei Jahren beweisen – nicht nur in Wernigerode und im Harz, auch in Sachsen-Anhalt und darüber hinaus – " dass wir dieses Geld auch Wert sind ". Für Christian Fitzner war übrigens der gestrige Tag ganz persönlich ein wichtiger : Sein neuer Arbeitsvertrag wurde im Anschluss an den Orchestervertrag unterzeichnet.

Uwe Heuck war es, der den Blick nach vorn richtete und erneut nicht mit Kritik sparte. Dass das Kultusministerium bereits angekündigt habe, ein Anschlussvertrag ab 2012 sei davon abhängig, inwieweit die Wernigeröder Musiker mit dem Halberstädter Theater kooperierten, könne er nicht unwidersprochen hinnehmen. Das Wernigeröder Kammerorchester werde seit Jahren als GmbH geführt, also könne " der Staat nicht so einfach in ein privates Unternehmen hineinregieren ", erklärte der Fördervereinsvorsitzende. Es sei dem Ensemble beispielhaft gelungen, Förderer aus der Wirtschaft als Mäzene zu gewinnen. Diese Unternehmen, so Heuck, tragen auch zum Wohle des Landes bei. Daher sei es legitim, dass nun im Harz darauf geachtet werde, " dass Teile des in der Region erwirtschafteten Geldes in die Region zur Kulturförderung zurückfließen. " Das dürfe nicht den Eindruck vermitteln, es verteile Almosen, warnte Heuck.

Kultus-Staatssekretär Valentin Gramlich ( CDU ) verteidigte indes die Forderung seines Hauses nach engerer Zusammenarbeit von Wernigerodes Kammerorchester und Nordharzer Städtebundtheater : " Wir als Fördergeldgeber halten es für legitim, darauf zu schauen, ob unsere Vorstellungen mit diesem Geld erfüllt werden können. " Übrigens