Die Helferinnen der Ökumenischen Wärmestube haben am Montag traditionell zum Weihnachtsessen ins Haus Gadenstedt eingeladen. Für die Frauen, Kinder und Männer wurde dort ein Menu in besinnlicher und geselliger Stimmung angerichtet – viele der Besucher können sich so ein Festmahl sonst nicht leisten.

Wernigerode. " Kling Glöckchen kling. Lasst mich ein ihr Kinder, ist so kalt der Winter. Öffnet mir die Türen, lasst mich nicht erfrieren ", tönt es aus der Menschentraube vor der ökumenischen Wärmestube in Wernigerode. 30 bedürftige Frauen, Kinder und Männer warten gespannt auf den Einlass in den liebevoll weihnachtlich hergerichteten Gemeinderaum.

Währenddessen sind die ehrenamtlichen Helferinnen noch am Rotieren und Vorbereiten. Hier wird ein Gesteck zurechtgerückt, da noch ein Gedeck aufgelegt. Außerdem müssen die Aufgaben verteilt werden : Wer füllt die Teller, und wer bringt es an die Tische ? Nachdem das erledigt ist, fehlen nur noch die Speisen, die von den Frauen des Lionsclubs " Anna zu Stolberg-Wernigerode " gesponsert wurden. Gerade noch rechtzeitig bringt Jörg Fehsecke vom Wernigeröder Hotel " Zur Tanne " zahlreiche Thermobehälter gefüllt mit Blumenkohlsuppe, Entenkeulen, Rotkohl, Klößen, Kartoffeln und Soße. Für den Nachtisch stehen Puddingbecher mit Früchten bereit.

Die Feier wird eröffnet. An fünf liebevoll dekorierten Weihnachtstafeln nehmen die Gäste Platz - unter ihnen befinden sich Wernigeröder aus jeder Altersgruppe, die sich dankbar für das Weihnachtsangebot der ökumenischen Wärmeküche zeigen. Hildegunde Fischer, Organisatorin des Essens, begrüßt die Gäste und liest zur Einstimmung eine kurze Weihnachtsgeschichte vor. Anschließend sprechen alle gemeinsam das Tischgebet.

Die Stimmung ist weder betrübt noch traurig - im Gegenteil : In der gemütlichen Atmosphäre scheinen Kummer und Sorgen für einen kurzen Augenblick vergessen. Die Besucher freuen sich bei weihnachtlicher Musik und wohliger Wärme über das Festmahl und die freundliche Bewirtung durch die engagierten Frauen. Sie tauschen sich über ihre Erlebnisse in diesem Jahr und die Planung für die Festtage aus. Sorgen über fehlende Arbeit und knappes Geld treten in den Hintergrund.

Ein Mann berichtet von seiner Scheidung, zehnjähriger Arbeitslosigkeit und Krankheit. Dennoch zeigt er sich zuversichtlich und hofft, dass im nächsten Jahr alles besser wird. Für viele der Gäste werden die Mahlzeiten an den Feiertagen bescheidener ausfallen. Auch für Weihnachtsgeschenke ist das Geld knapp. " Wir versuchen, unser Möglichstes zu tun, um den hier Anwesenden ihre schwierige Situation etwas zu erleichtern. " Die Weihnachtsfeier sei immer der Höhepunkt eines jeden Jahres, so Hildegunde Fischer. Um sich bei ihr und dem Rest des Teams zu bedanken, gaben die Besucher der Wärmestube etwas von dem wenigen, was sie besitzen, und legten für eine kleine Weihnachtsüberraschung zusammen.

Über die kalten Herbst- und Wintermonate haben Bedürftige zweimal in der Woche die Möglichkeit, am Frühstück in der Wärmestube teilzunehmen – immer Montag- und Mittwochvormittag.