Blankenburg ( MZ ). " Haben vielleicht schon die Arbeiten an der Ortsumgehung begonnen ?", fragen sich stressgeplagte Autofahrer, die aus Richtung Westerhausen nach Hasselfelde wollen, beim Anblick der Bagger auf der linken Seite der alten B 6 kurz vor dem Ortseingang Blankenburg. Doch weit gefehlt. Unweit der Bundesstraße entsteht eine neue Klärschlamm-Vererdungsanlage, mit der abgeschöpfte Verschmutzungsmasse des nur wenige 100 Meter entfernten Klärwerks der Stadt ausgetrocknet werden soll ( wir berichteten ).

Dieter Strauch, Fachbereichsleiter für Investitionen beim Trink- und Abwasser-Zweckverband Blankenburg und Umgebung : " Das ist wesentlich kostengünstiger als Verbrennung. " Er sieht in dieser Form der Entsorgung einen weiteren Vorteil : " Damit konnten wir das Areal des alten Klärwerkes auch noch einer sinnvollen Nutzung zuführen. " Jahrelang habe die Fläche brach gelegen, war aber weiterhin eine Belastung für den Verband. Bis zum Frühjahr sollen zehn Becken, so genannte Polder, mit einer Betonumrandung entstehen.

" Natürlich werden alle Vorschriften des Umweltschutzes beachtet ", betont Ulf Reimherr, Vertreter des mit der Projektierung beauftragten Planungsbüros Pabsch und Partner ( Quedlinburg ). Neben mehreren Lagen eines sogenannten Geo-Textils und Spezialfolie folgen drei Drainage-Schichtenmitunterschiedlicher Körnung, über die die Entwässerung erfolge. Der flüssige Klärschlamm werde dann über Rohrleitungen aus dem nahe liegenden Werk etwa 30 bis 50 Zentimeter hoch in die Polder geleitet – genau unter der künftigen Ortsumgehung. " Diese Straße soll später zwischen den beiden Kläranlagen entlang führen ", kennt Strauch zumindest die Routenplanung. " Deshalb sind für die Querung spezielle Rohre vorgesehen, die dieser Belastung auch standhalten ", ergänzt Reimherr.

Wenn dem Klärschlamm ein großer Teil der Feuchtigkeit entzogen sei, werde eine spezielle Grasmischung aufgebracht, so genanntes Weidelgras. " Dieses führt der verbliebenen Schicht über biologische Prozesse Sauerstoff und andere Elemente zu ", erklärt Reimherr das hochmoderne Verfahren. Drei- bis sechsmal sollen die Polder gefüllt werden, bevor sie nach vier bis fünf Jahren abgetragen werden können. Das anfallende nährstoffreiche, schwere Substrat eigne sich ideal zu Haldenabdeckungen oder für den Einsatz an Steilhängen im Straßenbau.