Was dem Großvater in den 20 er Jahren nicht gelang, will der Enkel zum glücklichen Ende fügen : Jürgen-Albert Rathsack plant, der Harburg neues Leben einzuhauchen. Damit würde nicht nur der Verfall gestoppt. Das traditionsreiche Lokal soll als Herberge und Ausflugsgaststätte wieder eine Perspektive haben.

Wernigerode. Die Aussicht vom Kaiserturm zum Brocken, zum Schloss, auf Wernigerodes Altstadt ist immer wieder neu beeindruckend. Doch im sich allmählich bunt färbenden Laubwald sticht seit Neuestem ein gelblich-grünes Irgendwas derart ins Auge, dass man ihm kaum trauen mag ! Dort, wo jahrlang grau und schwarz dominierten, kommt neuerdings nicht nur jede Menge frischer Farbe ins Spiel – die Harburg.

Nach mehreren Wechseln war 2005 endgültig Schluss

Eine neue Küche ist im einstigen Ausflugslokal bereits eingebaut. Fünf rustikale Zimmer bieten demnächst 30 Schlafplätze, ausnahmslos in Doppelstockbetten. Statt Tapete sind ganz bewusst ungehobelte Bretter an den Wänden, also auch künftig nichts für den verwöhnten 5-Sterne-Touristen. Gern gesehene Gäste sind Wanderer, Ausflügler oder auch Mountainbiker, die sich durchs Zwölfmorgental bis zum 438 Meter hohen Gipfel schon mal warm gefahren haben. Für den Brocken ritt am nächsten Tag ?

Einst war die Harburg eine Schutzhütte. Etwa ab 1900 wurde sie zur Herberge und einem Ausflugsrestaurant ausgebaut. Nach der Wende war der aus dem Odenwald stammende Jürgen-Albert Rathsack oft zusammen mit dem Vater dort zum Mittagessen. Zusammen mit der Ruhe mitten im Wald und einer berauschenden Aussicht soll das Lokal wieder zur einstigen Blüte gelangen, hofft der neue Inhaber. Dafür müssten jedoch einige Bäume weichen, andere " gestutzt " werden. Dieses Problem wird in den nächsten Tagen geklärt, gibt sich Rathsack zuversichtlich. Die Wernigeröder Stadtverwaltung habe sich bereits in vielfacher Hinsicht kooperativ gezeigt. Ohne Aussicht dürfte selbst die beste Küche nur schwer Ausflügler anlocken, meint der neue Inhaber.

Die Balkendecke im Gastraum mit 70 Plätzen erstrahlt wieder in den Originalfarben. Ältere werden sich gewiss daran erinnern. War doch die Harburg neben dem Armeleuteberg immer schon quasi einer der " Hausberge " der Wernigeröder. In den 90 er Jahren wechselten wegen mangelnder Wirtschaftlichkeit ein paar Mal die Besitzer, Pächter und Betreiber der Harburg. 2005 war dann endgültig Schluss. Danach wurde auf dem Berg eingebrochen, randaliert und geplündert. Die letzten eingeschlagenen Scheiben sind noch nicht ausgewechselt, das ist aber nur noch eine Frage der Zeit. Weil auch das Dach diesen Namen nicht mehr wirklich verdiente, ist das Wasser durch alle Etagen bis hinab in den Keller gelaufen – mit all den üblichen zerstörerischen Folgen.

Zufahrt per Auto zum Lokal nur im Ausnahmefall

Bisher hat der 43-jährige Jürgen-Albert Rathsack bereits rund 150 000 Euro in Renovierung und Mobiliar gesteckt. Der eigentliche Kaufpreis für die Harburg ist darin nicht enthalten. Unterm Strich bleibt eine Investition, die schon der Großvater Albert Rathsack in den 20 er Jahren dort im Zwölfmorgental gern verwirklicht hätte, er sei jedoch " nicht zum Zuge gekommen ", berichtet sein Enkel.

Eine Zufahrt zur Harburg im Auto werde künftig nur im Ausnahmefall möglich sein, beispielsweise für den Gepäcktransport. In der Regel muss allerdings an der Schanze geparkt und durchs Zwölfmorgental gelaufen werden.

Noch in diesem Herbst – drei Jahre nach dem Kauf des einst traditionsreichen Lokals und exakt ein Jahr nach dem Beginn der Sanierungsarbeiten – ist die Eröffnungsfeier geplant. Der " öffentliche Druck in Wernigerode " sei gewaltig, und auch Nachfragen nach Übernachtungen gäbe es schon, blickt Rathsack optimistisch voraus.