In diesen Tagen feiert das Philharmonische Kammerorchester Wernigerode sein 60-jähriges Bestehen. Karl-Heinz Albrecht, langjähriges Mitglied des Fördervereins, berichtet für die Volksstimme-Leser aus der Chronik des Ensembles.

Wernigerode. Bereits im 18. Jahrhundert entwickelte sich in Wernigerode ein reges musikalisches Leben. Einen maßgeblichen Anteil leistete die unter Graf Christian Ernst ( 1710-1771 ) entstandene Musikakademie, bei der neben herrschaftlichen Personen auch einige Stadtmusiker nach entsprechender Bitte unentgeltlich mitspielen durften.

Der nachfolgende Graf Christian Friedrich ( 1778-1809 ) gründete die " Wernigeröder Musikakademie ". Ihr gehörten er selbst, seine acht Kinder sowie Berufsmusiker aus Wernigerode und Ilsenburg an. Ab 1787 führte diese Musikakademie in der Orangerie des Lustgartens öffentliche Konzerte für die Bürger der Stadt auf. Mitte des 19. Jahrhunderts wurde erstmalig eine Vielzahl von Musik- und Gesangsvereinen gegründet. Unter ihnen war der " Gesangsverein für geistliche Musik " von 1852, dessen Konzerte teilweise nur mit Klavieroder Orgelbegleitung stattfanden, da die Kapelle nicht der erforderlichen musikalischen Qualität genügte.

Der 1919 gegründete " Verein für Kunst und Wissenschaft " war als Veranstalter Initiator und Organisator vieler Veranstaltungen – zunächst zu geselligen Zwecken, dann aber auch für konzertante Aufführungen. Gespielt wurden Teile von Opern, Musikstücke von Strauß, Brahms, Hausmusikabende. 1921 entstand aus der Stadtmusiker-Vereinigung das Stadtorchester Wernigerode. Leiter war Gustav Damm. Erst mit der Übernahme der Leitung durch den Dirigenten Ernst Ostermeyer entwickelte sich das Orchester zu neuer Qualität. Es nannte sich von nun an " Wernigeröder Tonkünstler-Orchester " und wurde auch weiter von der Stadt Wernigerode finanziell unterhalten. Von nun an entwickelte sich das Wernigeröder Orchester zu einem festen Begriff des Musiklebens in Stadt und Landkreis. Bis Anfang 1933 wurden Abonnementskonzerte im Anrecht sowie Aufführungen im " Nebenanrecht " für " musikalische Feinschmecker ", Lieder- und Kammermusikabende angeboten.

1933 bereitete der Beginn des Nationalsozialismus dem Leben der Vereine ein Ende, sie wurden aufgelöst – an ihre Stelle traten NS-Kulturgemeinden und NS-Gemeinschaften als Träger von Konzerten und Theateraufführungen.

Notgedrungen – um das Überleben zu sichern - " trat " das Orchester der Luftwaffe bei und gastierte oft in entsprechender Uniform bei den Konzerten. Das Ensemble spielte zum Tanz ( 10-Mann-Kapelle zu Walpurgis auf dem Brocken ), gab Konzerte in Schierke und Ilsenburg, spielte auf Schützenfesten und Beerdigungen für den Kriegerverein.

Am 29. Oktober 1949 wurde dem " Städtischen Orchester Wernigerode " von der Landesregierung Sachsen-Anhalt das Prädikat " Kultur-Orchester " verliehen. Es unterstand der Stadt Wernigerode und setzte sich aus 37 Musikern zusammen, die seit 1946 eine Orchestergemeinschaft bildeten. Mit der Gründung des Stadttheaters 1948 wurden die Musiker als Theaterorchester eingesetzt - allerdings wurde das Theater bereits nach einem Jahr wieder geschlossen und das Orchester nun von der Stadt offiziell übernommen.