Die Geschichte der einstigen Kaiserpfalz Werla muss neu geschrieben werden. Das erklärten Archäologen bei einem Pressegespräch. Die Pfalz, die vor 1000 Jahren als größte Nordeuropas galt, war zu der Zeit wesentlich kleiner als bisher vermutet. Das ist das Aufsehen erregende Ergebnis jüngster Grabungen.

Schladen. Nur knapp fünf Kilometer Luftlinie nordwestlich von Göddeckenrode befindet sich auf einer Anhöhe einer der bedeutenderen Schauplätze deutscher Geschichte. Von Heinrich I. bis Otto III. haben sich hier alle deutschen Könige und Kaiser mehrfach aufgehalten und wichtige Entscheidungen getroffen.

Von Bedeutung war die Pfalz Werla von 926 bis 1180, als zuletzt Kaiser Barbarossa hier einen Prozess gegen Heinrich den Löwen abschloss. Im 15. Jahrhundert wurde die Burg bis auf die Grundmauern abgerissen und sprichwörtlich vergessen. Der Standort der Kaiserpfalz ist erst seit dem 19. Jahrhundert wieder bekannt, zwei Grabungen, vor dem Zweiten Weltkrieg und von 1957 bis 1964, legten Fundamente frei. Seit 2007 gib es nun neuerliche Grabungen, aber viel weiter gefasst, auch die beiden Vorburgen sind einbezogen. Es handelt sich immerhin um ein 22 Hektar großes Gelände. Die Kernburg selbst hatte dabei nur einem Durchmesser von 150 Metern.

" Wir wollen keine Superlative, wir wollen Geschichte ausgraben ", betonte der Braunschweiger Bezirksarchäologe Dr. Michael Geschwinde. Hier gelingt es den Forschern nun, einen Prozess über 300 Jahre nachzuvollziehen – das Wachsen von einer Siedlung zu einer Stadt. " Die Entwicklung der Pfalz war viel komplizierter als bisher bekannt ", sagte Grabungsleiter Dr. Markus Blaich.

Nach Einschätzung der Forscher wurde die Pfalz mehrfach umgebaut und in ihrer Grundfläche schrittweise erweitert. Dazu gehört eine im 10. Jahrhundert entstandene Vorburg mit einer Wehrmauer, deren gut erhaltenes Fundament jetzt über mehrere Meter auf einem Acker ausgegraben wurde. Gleich daneben wurden Spuren eines recht eckigen Gebäudes aus Holz entdeckt.

Schladens Samtgemeindebürgermeister Andreas Memmert erwartet von der wiederentdeckten Kaiserpfalz einen touristischen Aufschwung. Auf dem Areal, das wegen der Bedeutung mittlerweile das Land Niedersachsen gekauft hat, soll ein Archäologiepark entstehen. Dazu ist auch vorgesehen, 2010 das Westtor der Kernburg wieder zu errichten. Außerdem werden die Fundamente der Kirche bis in Kniehöhe aufgemauert. Vorerst aber wird im Bereich der Vorburgen weiter auf Spurensuche gegangen.