In Wernigerode blieben gestern zwei Kindertagesstätten geschlossen. Die Mehrzahl der 31 Erzieherinnen beteiligte sich am bundesweiten Streik, die Eltern waren frühzeitig informiert, die Betreuung für die insgesamt 274 betroffenen Mädchen und Jungen in anderen Einrichtungen gut organisiert.

Wernigerode. Im Stundentakt wechselten sich gestern Morgen ab 6 Uhr die Streikposten vor der " Pustenblume " und dem " Löwenzahn " ab. In beiden städtischen Kindereinrichtungen im Wernigeröder " Stadtfeld " wurde der in der Vorwoche begonnene bundesweite Streik von Erzieherinnen fortgesetzt.

Probleme hatte es nicht gegeben. Die Betreuung für die 274 betroffenen Mädchen und Jungen einschließlich Hortkinder in Ausweicheinrichtungen " war sehr gut vorbereitet und organisiert ", schätzte Marion Fischer ein. Die Mitarbeiterin von ver. di in Halberstadt traf lediglich einen verdutzten Vater mit seinem Sohn an. " Er war im Urlaub und hatte bislang nichts von dem geplanten Ausstand in seiner Kindertagesstätte gehört. " Ansonsten waren die Eltern frühzeitig informiert worden, " und sie hatten auch großes Verständnis für den Arbeitskampf ", sagte Rainer Harms.

Der Fachbereichssekretär bei der Gewerkschaft leitete den Streik in Wernigerode, an dem sich von den 31 Erzieherinnen über 20 beteiligten. Wie er weiter sagte, wüssten die Mütter und Väter zu gut, was es bedeute, Kinder den ganzen Tag über zu umsorgen und zu beschäftigen, zumal sie daheim meist nur ein Kind hätten, auf eine Erzieherin laut Vorgabe aber mindestens 13 Knirpse kämen.

Deshalb fordert ver. di in erster Linie vom kommunalen Arbeitgeberverband einen Tarifvertrag zur betrieblichen Gesundheitsförderung. Das bedeute, so Harms bei der Kundgebung gestern Nachmittag auf dem Wernigeröder Nicolaiplatz, dass jede Erzieherin das Recht auf einen " gesunden Arbeitsplatz " habe. Dementsprechend sollten die Bedingungen für die individuellen Ansprüche jedes einzelnen untersucht werden, gleichzeitig müsse der Arbeitgeber verpflichtet sein, Missstände abzuschaffen. Als Beispiele für Kritikpunkte nannte Harms zu kleine Sitzgelegenheiten und zu niedrige Tische bzw. Wickelkommoden, fehlende Lärm- bzw. Schallschutzvorkehrungen. Außerdem sollte das Recht auf Gesundheitsvorsorge in dem Vertrag verankert werden, da die physischen und psychischen Belastungen für die Frauen, die in " diesem harten Job tätig sind ", gestiegen seien.

Die Forderung der Gewerkschaft basiert auf einer Untersuchung in den Kindertagesstätten, zum einen zu den Arbeitsplatzbedingungen und zum anderen zu krankheitsbedingten Ausfällen der Erzieherinnen. Die Ergebnisse seien alarmierend. Zum Beispiel sei die Zahl der Langzeiterkrankten enorm hoch, der Kurzzeiterkrankungen hingegen sehr niedrig. " Ja, weil oftmals aus Rücksicht auf Kollegen trotz Beschwerden gearbeitet wird. " Und Harms nannte es erschreckend, " dass nur 26 Prozent der befragten Erzieherinnen einschätzten, in ihrem Beruf überhaupt das Rentenalter zu erreichen. Das ist die schlechteste Quote im öffentlichen Dienst. "

Übrigens organisierten die meisten Eltern gestern selbst die Betreuung ihrer Schützlinge. Nur zwei Kindergartenknirpse und ein Hortkind wurden im " Zwergenland " bzw. in der Diesterweg-Schule betreut.