Immer, wenn das Thema Umwelt tangiert wird ( Gentechnik, Atomkraft, A 14 ), wird die öffentliche Diskussion häufg sehr emotional geführt. Das trifft inzwischen auch für die Gartenfeuer zu. So sprach Herr Lehmann an dieser Stelle bereits von einer " Verpestung der Atemluft " im gesamten Harzkreis. Grund genug für mich, das Thema vor der " Leserabstimmung " etwas zu versachlichen :

Zweifellos erinnert rein optisch das mehrmals gezeigte Archivfoto vom Dunst über einer Wernigeröder Kleingartenanlage schon etwas an die Braunkohlendunst-Schwaden, die zu DDR-Zeiten oft genug über Wernigerode lagen. Durch ihren Gehalt an Schwefeldioxid und Schwefelwasserstoff waren sie wirklich gesundheitsschädigend. Da kann man eine gewisse Besorgnis schon verstehen. Aber aus gesundheitlicher Sicht sei daran erinnert, dass bei der Verbrennung von Holz und reinen Pf anzenteilen im Gegensatz zur Braunkohle neben etwas Holzasche ( die früher zur Gartendüngung verwendet wurde ) überwiegend nur Wasserdampf und CO entstehen. Letzteres wird

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– um einer diesbezüglichen Diskussion vorzubeugen – in gleicher Menge auch beim mikrobiellen Abbau während der Kompostierung freigesetzt, dort nur langsamer.

Ganz anders wäre die Situation beim Verbrennen von kunststoffbeschichteten Möbelteilen oder Autoreifen. Hier sind Verbot und Ahndung berechtigt und sicher notwendiger, als wenn jemand einen Tag zu früh oder zu spät sein Feuer anzündet.

Was als " Qualm " die Gemüter so erregt, ist also vordergründig kondensierter Wasserdampf, zum Teil mit etwas aufgewirbelter Holzasche. Bei warmer und trockener Witterung löst sich das Ganze, wie der " Qualm " der Harzquerbahn auch, recht bald in Wohlgefallen auf. Bei feuchter, kühler Witterung dauert es länger. Deshalb sollten ja Inversionswetterlagen gemieden und möglichst nur trockenes Gut verbrannt werden ( was z. B. bei Laub nicht immer einfach ist. Wer kann es schon bis zum Brenntag zwischenlagern oder vorher trocknen ?)

Auch wenn man mal kurz hustet, wenn der Nachbar etwas verbrennt oder man es selbst tut, ernsthafte gesundheitliche Gefahren gehen von den in jahrhundertealter Tradition abgebrannten Gartenfeuern ganz sicher nicht aus, schon gar nicht für die Tagestouristen in der Fußgängerzone oder die Erholungssuchenden in den Harzwäldern. Diese Feststellung erscheint mir wichtig. Daran ändert auch die seinerzeit argumentativ publizierte Feinstaubgraf k aus Hettstedt nichts mit einem Feinstaubpeak morgens ab 7 Uhr – einer Zeit wo kaum jemand Gartenfeuer anzündet.

Nun doch eine persönliche Bemerkung zum Schluss : Auch ich nutze im Sommer fast wöchentlich die Entsorgungsmöglichkeit auf dem Wertstoffhof sowie die dankenswerte Straßensammlung. Aber in jedem großen baumbestandenen Garten fällt nun mal immer etwas an, das man wegen des Schädlingsbefalls ( Birnenrost, Monilia u. ä. ) ungern zum Recyceln gibt, oder aber – durchsetzt mit Spinnen, Asseln, Tausendfüßlern u. a. Kleingetier – nicht so gern im Kofferraum oder Rücksitz seines Pkw durch die Gegend fährt. Und da reihe ich mich in die Phalanx der gerne zündelnden Harzer ein, mache einmal im Jahr ein vorschriftenkonformes Gartenfeuer und vernichte all das an Ort und Stelle.

Wie wäre es übrigens mit Tugenden, die seit der Wende mehr und mehr verloren gehen : Rücksichtnahme auf der einen und etwas mehr Toleranz auf der anderen Seite ? Dann ließe sich auch dieses einfacher lösen, als mit Beschwerden, Anzeigen und Kreistagsbeschlüssen – eben die Kirche im Dorf lassen.

Dr. Volker Thurm,

Wernigerode