140 Jahre organisierte Sozialdemokratie in Wernigerode, sind für die hiesige SPD Grund genug, dieses Jubiläum festlich zu begehen. Unter den rund 150 Gästen aus der Harzregion war auch Politprominenz. Allen voran der Bundesvorsitzende Franz Müntefering, der seinen Wernigeröder Genossen nicht nur gratuliert, sondern sie auf einen erfolgreichen Wahlkampf eingeschworen hat.

Wernigerode. Keine Frage, dieser Termin kam den Sozialdemokraten nicht ungelegen. Wenige Tage vor den Kommunalwahlen durften sich die Harzer Genossen im Glanz ihres Bundesvorsitzenden sonnen. Franz Müntefering war am Mittwochabend der prominenteste Gratulant zu einem eher " krummen " Jubiläum : 140 Jahre Allgemeiner Deutscher Arbeiterverein in Wernigerode. Dieser ADAV gilt als erste landesweit sozialdemokratische Partei, und so versteht es sich, dass die SPD aus dieser in Deutschland einmaligen Tradition heraus Kraft für ihre künftige politische Arbeit in Wernigerode, in Brüssel und auch in Berlin ziehen will.

Es ist das Verdienst von Ralf Mattern, dass er in nur sechsmonatiger Arbeit in Archiven und Büchereien die Wernigeröder Geschichte seiner Partei erforscht hat. Ortsvereinschef Ludwig Hoffmann lobte denn auch seinen Vize als " unser historisches Gewissen ". Mattern bewies trotz elf-seitigen Festvortrags, dass Geschichte nichts Trockenes sein muss. Zumal die Wernigeröder Superlative vorweisen können : Das weltweit erste " Volkshaus " als Treffpunkt sozialdemokratischer Bürger und Vereine wurde allein aus Parteimitgliedsbeiträgen erbaut und 1883 an der Ecke Schmatzfelder / Feldstraße eingeweiht. Bislang galt ein Brüsseler Volkshaus als das älteste. Das " Hotel Monopol ", heute Sitz der AOK in Wernigerode, ist 1921 das erste Haus im Besitz deutscher Gewerkschaften. Und zum Dritten, während sich USDP und SPD deutschlandweit 1922 vereinten, geschah das in Wernigerode bereits eineinhalb Jahre zuvor.

Nach diesen stolzen Blicken zurück war es die Aufgabe des Vorsitzenden, zuversichtlich nach vorn zu schauen. Franz Müntefering setzte in Wernigerode eher auf die leiseren, aber dennoch auf einen erfolgreichen Wahlkampf einstimmenden Töne. Seine Botschaft : Nur die SPD sei für die Menschen in Wernigerode, im Harz, im europäischen Brüssel und ab Herbst im politischen Berlin gut ( mehr dazu morgen auf der Seite Meinung und Debatte ).

Wernigerodes SPD-Chef Ludwig Hoffmann mahnte, man dürfe " kein Feuer an unsere Demokratie lassen ", sie müsse täglich gegen Extremisten verteidigt werden. Dass es in der Stadt eine erfolgreiche Kommunalpolitik gegeben habe, sei deutlich erkennbar und auch ein Verdienst seiner Partei. Eine sozialdemokratische Fraktion sollte daher die stärkste im Rathaus sein, das sei zum Wohle Wernigerodes – schätzte Hoffmann ein.