Seit zehn Jahren kümmert sich ein Team im Harz-Klinikum Wernigerode-Blankenburg speziell um an Diabetes erkrankte Kinder und Jugendliche. Deren ständige Betreuung wird gleich doppelt abgesichert. Der Anspruch : Die Betroffenen sollen gut leben - trotz ihrer Krankheit.

Wernigerode. Ian Andrew ist ein aufgewecktes, fröhliches Kind. Dabei hat der Sohn von Jennifer Hackl ( 28 ) und Andreas Krüger ( 46 ) aus Bad Harzburg ein schweres gesundheitliches Problem. Der zweijährige Junge leidet unter Diabetes Typ I. Vor etwa 13 Monaten wurde die Krankheit diagnostiziert, erinnert sich seine Mutter. Seit vier Wochen trägt Ian Andrew eine Insulinpumpe.

Hilfe fnden der Kleine und seine Eltern in der Kinderklinik des Harz-Klinikums Wernigerode-Blankenburg. Seit 1998 hat sich ein Team unter Leitung von Dr. Uta Grumpelt auf die Behandlung von zuckerkranken Kindern und Jugendlichen spezialisiert. Die Medizinerin besitzt seit Anfang des Jahres dazu einen Abschluss für Diabetakologie und Endokrinologie ( Lehre von der inneren Sekretion ), berichtet ihre Kollegin Bärbel Ehlers. Diese Qualif kation sei im Land Sachsen-Anhalt bisher selten. Die 42-J ährige selbst hat sich ebenfalls fachlich fortgebildet und ist seit Februar Diabetesberaterin.

Das Besondere an der Therapie in der Wernigeröder Einrichtung ist der Einklang von stationärer Betreuung und Schulung in der Kinderklinik mit Sprechstunden im Medizinischen Zentrum, erläutert Martin Liere ( 39 ). Der Arzt : " Das ist wie ein doppeltes Netz. " Die Patienten hätten immer den selben Ansprechpartner und das rund um die Uhr. Momentan würden etwa 75 Typ I-Erkrankte im Alter von 0 bis 18 Jahren sowie einige etwas Ältere aus Sachsen-Anhalt, Niedersachsen und Thüringen im Haus betreut. Bärbel Ehlers : " Die Häuf gkeit der Behandlung hängt davon ab, wie gut sie sich führen lassen. In der Regel alle vier bis sechs Wochen. " Gerade in der Pubertät könne es allerdings Probleme geben. Manche der Betroffenen würden ihre Krankheit in dieser Phase stiefmütterlich behandeln. Die Diabetesberaterin : " Dann f nden die Kontrollen häuf ger statt. Das Netz wird engmaschiger. "

90 Prozent der Patienten tragen Insulinpumpe

Etwa 90 Prozent der Patienten würden eine Insulinspritze tragen. Das kleine Gerät lasse sich wie ein Handy bedienen, beschreibt Martin Liere den Umgang damit. Dafür seien jedoch genaue Unterweisungen die Bedingung. Fragen wie technische Parameter, Sonderfunktionen und Ernährung würden deshalb umfangreich und zur Auffrischung in regelmäßigen Abständen erläutert.

" In Ians Alter übernehmen die Eltern das komplette Diabetesmanagement ", unterstreicht Bärbel Ehlers die Wichtigkeit der Schulungen. Ständig müssten sie überprüfen, ob der Blutzucker zu hoch oder zu niedrig ist.

" Wir hätten uns das komplizierter vorgestellt ", schätzt Mutti Jennifer Hackl ein. Sechs bis acht Mal pro Tag messe sie den Wert bei ihrem Sohn.

Das sei sehr gut, lobt die Beraterin. Bei manchen liege die Zahl der Tests im gleichen Zeitraum etwa doppelt so hoch. Gerade bei Kindern könne die jeweilige Situation nur schwer eingeschätzt werden.

Immer wieder betonen Bärbel Ehlers und Martin Liere die Bedeutung des Teams. Dazu gehörten außer ihnen und Dr. Uta Grumpelt noch Dr. Astrid Lagatz, Diabetesassistentin Ulrike Marzinkowski, Ernährungsberaterin und Diplom-Sozialpädagogin Ulrike Richter, die Kinderkrankenschwestern Anita Kreibich und Cornelia Kamm, die Fachärztin für Kinder- und Jugendpsychologie Nicolle Schuchardt, Kinderund Jugendpsychologin Petra Wehrmann sowie Physiotherapeutin Iris Philip. Sie alle hätten für das Wohl der Kranken ein gemeinsames Ziel, sagt Bärbel Ehlers : " Sie sollen gut leben, trotz Diabetes. "

Dafür werde in der Steinbergstraße nicht nur medizinisch für jeden Schützling das Optimum angestrebt. Ebenso wichtig seien gemeinsame Unternehmungen wie Ausf üge ins Kino, zum Baden oder in ein Fastfood-Restaurant. Auch Kochen stehe regelmäßig auf dem Plan. Martin Liere : " Dabei geht es darum, auf spielerische Weise voneinander zu lernen. "

Ian Andrew wird mit Mutti und Papi bereits am Freitag, 27. März, wieder nach Wernigerode reisen. Dann aber nicht nur zur Kontrolle des kleinen Patienten. Ab 15. 30 Uhr fndet in der Kinderklinik ein Erfahrungsaustausch mit anderen Eltern statt.