Am Sonntag ist Internationaler Frauentag. Anlässlich dieses Tagen hat die Harzer Volksstimme Jenny Angelica Laverde Gonez über die Schulter geschaut. Die Kolumbianerin lebt seit zwei Jahren in Wernigerode und bereitet sich am Robert-Koch-Institut auf ihre Doktorarbeit vor.

Wernigerode. Jenny Angelica Laverde Gonez lächelt gern. Diesen ersten Eindruck gewinnt wohl jeder, der die 27-jährige Kolumbianerin kennenlernt. Sie stammt aus der Hauptstadt Bogota und lebt seit reichlich zwei Jahren in Wernigerode. In der hiesigen Außenstelle des Robert Koch-Institutes bereitet sie sich auf ihre Doktorarbeit vor. Etwa ein Jahr wird sie, so ihre eigene Einschätzung, dafür noch benötigen. Für sie ist es selbstverständlich, dass auch eine Frau berufich vorankommt, selbst arbeitet und ihr eigenes Geld verdient.

" In meiner Heimat ist es inzwischen nicht mehr ungewöhnlich, dass Frauen beruflich Erfolg haben ", erzählt sie angesichts des Internationalen Frauentages, der auch in Kolumbien begangen wird. Ähnlich wie bei uns sammeln in den Betrieben die Männer Geld und schenken ihren Kolleginnen an diesem Tag rote Rosen. Freunde und Ehemänner beglücken damit ihre Freundinnen und Ehefrauen als Ausdruck der Wertschätzung. " Auf dem Lande mag es diesen oder jenen Macho noch geben, der sich als Mann der Frau überlegen fühlt, in den Städten und unter der Jugend jedoch hat sich die Gleichberechtigung durchgesetzt ", meint die Doktorandin. So bekämen die Frauen den gleichen Lohn wie die Männer für die gleiche Arbeit. Immer mehr Frauen würden auch mit leitenden Aufgaben in der Politik und in der Wirtschaft betraut.

Ihren Aufenthalt in Deutschland verdankt die Kolumbianerin einer Ausschreibung einer internationalen Organisation, die für den Studentenaustausch und Praktikantenstellen im Ausland zuständig ist. Ihr Wunschland sei Deutschland gewesen, berichtet sie. So habe sie sich auf ein entsprechendes Angebot gemeldet und sei angenommen worden. In einem Schnellkurs habe sie an 20 Tagen Grundbegriffe unserer Sprache erlernt, um dann hier in Wernigerode während der täglichen Arbeit und in der Freizeit intensiv Deutsch zu lernen. Schnell fand sie Freundinnen in unserer Stadt, mit denen sie beispielsweise gern ein Konzert besucht, gemeinsam kocht oder essen geht. Regelmäßig besucht sie ein Fitnessstudio. Inzwischen hat sie Bratwurst und Sauerkraut, für sie typisch deutsche Speisen, zu schätzen gelernt, viele Städte Deutschlands besucht und in Bremen einen Deutschen als festen Freund gefunden.

Und dennoch, hierbleiben wird die junge Frau wohl nicht, zu sehr ist sie mit ihrer Familie verwurzelt und vermisst die Verwandten, die sie in jedem Jahr meist nur einmal während des Jahresurlaubs sieht. In Wernigerode fühlt sie sich wohl, allerdings fehlt ihr das Quentchen Action, das Großstädte wie ihre Heimatstadt Bogota bieten. Entschieden allerdings ist ihre weitere berufliche wie private Zukunft noch nicht. Zunächst einmal möchte sie verschiedene Länder Europas kennenlernen, um danach durch Lateinamerika zu reisen. Neben ihrer Heimatsprache Spanisch spricht sie Englisch und Deutsch, hat damit beste Voraussetzungen für die Realisierung ihrer Reisewünsche. In absehbarer Zeit will sie auch Französisch lernen. Die junge Frau mit den zwei Vornamen und einem Familiennamen, der sich aus dem Namen des Vaters und dem der Mutter zusammensetzt, möchte schließlich Afrika und vor allem China für sich entdecken.

" Schön, dass wir Frauen inzwischen gleichberechtigt sind. Dafür brauchen wir nicht mehr kämpfen. Wir sollten aber jenen dankbar sein, die das für uns getan haben ", meint die sympathische junge Frau, die ihre verschiedenen Wünsche so nach und nach erfüllen möchte. Übrigens