Geschichtsträchtig und kunstvoll restauriert : Das Berend Lehmann Museum im Herzen der Altstadt vermittelt jüdische Geschichte und Kultur anhand von Schätzen und Schicksalen aus Halberstadt.

Halberstadt. Allein der Kuchen im Museumscafé Hirsch wäre Grund genug, das Berend Lehmann Museum als " HarzPerle " vorzustellen. Doch das Museum in der Judenstraße, das nach dem Halberstädter Hofjuden Berend Lehmann ( 1661-1730 ) benannt ist, bietet natürlich viel mehr :

In dem Fachwerkhaus aus dem 16. Jahrhundert werden Zeugnisse aus mehreren Jahrhunderten jüdischer Geschichte in Halberstadt gezeigt. " Uns war wichtig, dass die einzelnen Ausstellungsstücke beispielhaft für Teile der jüdischen Geschichte stehen. Hier soll niemand überfrachtet werden mit Informationen ", sagt Direktorin Jutta Dick.

Dieser Ansatz ist dem Museum anzumerken : Helle Räume, klare Linien und eine reduzierte Einrichtung. Nichts verstellt den Blick aufs Wesentliche. Der größte und schönste Raum des Museums im ersten Stock wird bestimmt von einer Gemäldegalerie mit Porträts und Familienfotos aus Halberstadt. Manche der Bilder sind über hundert Jahre alt, andere wirken wie gerade erst aufgenommen. Viele Schicksale lassen sich nachvollziehen. Wie das von Lillyan Rosenberg : Mit elf Jahren wurde sie 1939 kurz vor Kriegsbeginn von ihren Eltern nach England geschickt. Lillyans Eltern wurden kurz darauf deportiert und umgebracht. Eins der Bilder im Museum zeigt den Abschied des Mädchens von ihren Eltern am Bahnhof. Seit 2003 reist Lillyan Rosenberg regelmäßig nach Halberstadt, wo sie vor allem den Kontakt mit jungen Menschen sucht. Letztes Jahr ist im Rahmen eines Schulprojekts ihr Tagebuch " Hauptsache wir bleiben gesund ... " veröffentlicht worden.

Ein anderes zentrales Ausstellungsstück des Museums steht beispielhaft für die Vertreibung von Juden : 1669 zerstörten Halberstädter Bürger die Synagoge der Stadt. Ein kleiner Hammer zeugt von der Tat, in den die Vandalen stolz das Datum ihrer Tat eingraviert haben. Ebenso ist ein Beschwerdebrief der jüdischen Gemeinde an den Kurfürsten erhalten. Dieser gibt der Gemeinde recht und verurteilt die Halberstädter zu Schadensersatz. " Ein erstaunliches Urteil ", sagt Jutta Dick, " es kam nicht oft vor, dass sich ein Landesherr auf die Seite der Juden gestellt hat.

Zwei Etagen tiefer liegt das Kernstück des Museums : die Mikwe. Bis zur Restaurierung 2001 war das ehemalige Ritualbad der Jüdischen Gemeinde in Halberstadt verschüttet und zugebaut. Heute führt eine Brücke mitten durch den Raum. Historische Fotos dokumentieren die Mikwe vor ihrer Zerstörung 1954.

" Da es nach dem Holocaust kaum noch Juden in der Stadt gab, war man wohl der Meinung, dass man diese Einrichtung nun nicht mehr braucht ", vermutet Jutta Dick.

Für dieses Jahr hat sie viel vor. Neue Ausstellungsstücke sollen demnächst gewonnen und Räume umgestaltet werden. Denn obwohl das Berend Lehmann Museum ein Ort voller Geschichte ist, wirkt es keineswegs verstaubt. Die Direktorin : " Jüdische Geschichte ist lebendig und immer im Wandel begriffen. Auch das wollen wir hier vermitteln. " Öffnungszeiten : Dienstag bis Freitag 9 bis 16 Uhr, Sonnabend und Sonntag 10 bis 16 Uhr.

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