Wernigerode ( hwa ). Die neueste Reihe des Wernigeröder Kunst- und Kulturvereins ist das " Remisenkino " und wird einmal monatlich veranstaltet. Zur Eröffnung mit Dokumentarf lmen der Regisseurin Gitta Nickel kamen um die 80 Zuschauer. Wolfgang Schwarz, der Autor von " Jungsein – und was noch " ( 1977 ) über die Schiffbaubrigade Weber aus der Volkswerft Stralsund und " Das Zünglein an der Wahrheit " ( 1987 ) über den Lokalmatadoren, Buchhändler und Kabarettisten Rainer Schulze, gab Auskunft über den beschwerlichen Weg, in der DDR ungeschönte Dokumentarflme zu drehen. Nickel und er arbeiteten bei der DEFA in der Gruppe " Effekt ". Das schaffte größere Freiräume, weil die DEFA Filmminister Horst Pehnert unterstand, das Fernsehen dagegen dem " großen Haus ", der Abteilung Propaganda im Zentralkomitee der SED.

Aber für die Dokumentaristen war es beschwerlich genug, das " Zünglein an der Wahrheit " zu sein. Die Aufführungshistorie des Volkswerft-Films zeigte es : Er durfte auf höchsthoneckerliches Geheiß nur ein einziges Mal zu später Sendestunde im DDR-Fernsehen gezeigt werden. Dabei sprachen die jungen Arbeiter nur aus, was jeder wusste.