Schnelles Internet in Wernigerode - Fehlanzeige? Experten erklären im Volksstimme-Gespräch die verschiedenen Breitband-Zugänge und deren Geschwindigkeitsgrenzen.

Wernigerode l Nur langsam bewegt sich der Ladebalken des Internetbrowsers. Nach einer gefühlten Ewigkeit ist die gewünschte Seite endlich geladen. Schnelles Internet ist für viele Wernige- röder immer noch eine Seltenheit. Grund dafür ist unter anderem der Breitband-Zugang. Denn davon ist abhängig, mit welcher Datenübertragung, gemessen in Megabit pro Sekunde (Mbit/s), die einzelnen Haushalte im Internet surfen können. Andreas Sack vom regionalen Anbieter "Heuer und Sack": "Es gibt vier Möglichkeiten für den Internetzugang."

Für die bunte Stadt am Harz weist die Telefonleitung die niedrigsten Übertragungswerte auf. "In der Innenstadt, Hasserode und im Mühlental können die Haushalte nur mit 1 Mbit pro Sekunde surfen", weiß der Experte. In den Neubaugebieten wie Stadtfeld und Harzblick sehe es hingegen besser aus. So könnten Anwohner des Seigerhüttenwegs beispielsweise mit 3 bis 6 Mbit pro Sekunde surfen. "Die Geschwindigkeit schwankt je nach Entfernung zu den Vermittlungsstellen. Wenn die Leitung zu lang ist, dann kommt das Signal nur schwach an", erklärt Andreas Sack. Das würde sich auch nicht mit einem Anbieterwechsel ändern. Er betont: "Das Grundproblem bleibt."

Surfen über Fernsehanschluss, Handy und Funkantenne

Schnelles Internet gibt es aber auch über den Kabel-Fernsehanschluss. "Dies trifft hauptsächlich für die Neubaugebiete zu", räumt der Experte ein. Der Kunde könne mit einem Kabel-Modem bis zu 16Mbit pro Sekunde erreichen. "In der Werbung werden zwar doppelte Übertragungsraten versprochen. Aktuell ist dies aber noch nicht möglich." Das ändere sich noch in diesem Jahr.

Auch für die Mobilfunk-Verbindung würden bessere Werte versprochen, als in der Praxis erreicht. Sack: "In Wernigerode beläuft sich die Datengeschwindigkeit auf etwa 7,2 Mbit pro Sekunde." Einen Nachteil habe der Zugang: Wenn zu viele Menschen gleichzeitig telefonieren und surfen, sei das Mobilfunknetz schnell überlastet. Folge: Die Internetverbindung verlangsame sich. "Dies trifft zwar auch bei der Telefonleitung zu - allerdings nicht in dem Maße wie beim Surfen über das Mobilfunknetz."

Die vierte Variante für schnelleres Internet ist eine Richtfunkantenne. "Unsere Kunden können damit eine Geschwindigkeit bis zu 16 Mbit pro Sekunde erreichen", so Andreas Sack, dessen Firma 2010 den Zuschlag für den Ausbau eines schnelleren Internet-Breitbandes erhalten hatte. Das Unternehmen hat dafür in Wernigerode und Umgebung Funkmasten, unter anderem auf dem Schloss, aufstellen lassen.

Geschwindigkeit in Wernigerode flächendeckend erhöhen

Um die Bandbreite flächendeckend zu erhöhen, müssten im Stadtgebiet Schaltverteiler um- und neue aufgebaut werden, weiß Jürgen Will von der Deutschen Telekom. Außerdem müssten die Schaltverteiler per Glasfaserkabel an die Vermittlungsstelle angeschlossen werden, so der Pressesprecher weiter. Aktuell seien allerdings keine Netzerweiterungen geplant. Die Begründung dafür liefert Andreas Sack: "Mit der Funkantenne ist das Ziel der Bundesregierung, alle Haushalte mit mindestens 2Mbit pro Sekunde auszustatten, bereits erfüllt."