Günter Hille sitzt im Wolmirstedter Rathaus und erstellt den Haushaltsjahresabschluss 2013. Dabei ist der 66-jährige ehemalige Kämmerer der Stadt Wittmund schon seit drei Jahren im Ruhestand.

Wolmirstedt l Günter Hille sagt, er habe eigentlich nur noch einen Chef, seine Frau. Nun hat sich der Ostfriese doch wieder in ein Rathaus gesetzt. In Wolmirstedt fügt er Zahlen zu einem ordentlichen Haushaltsabschluss zusammen. Damit führt er die Arbeit der Silvester verstorbenen Kämmerin Gudrun Lasner weiter. Ende März soll der Abschluss stehen.

Der Wolmirstedter Stadthaushalt ist in diesem Jahr ohnehin eine besondere Herausforderung. Am 1. Januar wurde von der kameralistischen auf die doppische Buchführung umgestellt. Um die Doppik kümmert sich federführend Marko Kohlrausch. Der kameralistische Haushalt lag in den Händen von Frau Lasner. Die erkrankte im August schwer und kehrte an ihren Arbeitsplatz nie mehr zurück.

Bürgermeister Martin Stichnoth hatte zum Telefon gegriffen. "Er hat gefragt, ob ich in Wolmirstedt Schützenhilfe leisten kann", erzählt Günter Hille, "ich wollte und ich war stolz, dass man mich alten Sack aktiviert hat."

Günter Hille war 20 Jahre lang Kämmerer der Stadt Wittmund gewesen. "Bis die Doppik eingeführt wurde", sagt er, "ich bin noch in der Kameralistik zu Hause." Zu Hause ist der Ostfriese auch in Barleben. Dort hat er ab 1990 den Aufbau der Verwaltung mit unterstützt. "Am Anfang standen in meinem Büro Campingmöbel", erinnert er sich. Nach fünf Jahren war die Mission beendet, der Kontakt blieb. "Ich habe mein Herz an den Osten verloren", so Hille. Längst wurde der Diplom-Verwaltungswirt zum Barlebenbeauftragten der Stadt Wittmund ernannt. In seinen Händen liegt es, den Kontakt zu halten und die gegenseitigen Besuche zu koordinieren.

Nun braucht Wolmirstedt Hilfe. Jörg Meseberg, Chef des Wolmirstedter Wasser- und Abwasserzweckverbandes, hat lange in Barleben gearbeitet und hielt Günter Hille für die passende Besetzung in der Kämmerei. Seit dem 25. Januar ist der Oberamtsrat hier und sagt über seine Kollegen: "Im Wolmirstedter Rathaus arbeiten Leute, die sich mit ihrem Arbeitsplatz identifizieren. Es macht Laune, mit ihnen den Jahresabschluss zu erstellen."

Günter Hille bekommt kein Gehalt. Ihm wurde eine Wohnung am Zentralen Platz überlassen, es gibt eine Verpflegungspauschale und er ist auf dem Weg nach Hause und zurück versichert. Wolmirstedt beschreibt er als idyllische Stadt, ähnlich wie Wittmund. "Auch dort sterben Kneipen und Geschäfte. Und ein Wochenende ohne Familie kann hier sehr lang werden."

Ansonsten hat sich Günter Hille in seinem Ruhestand noch nicht gelangweilt. Er ist Chef der vielgebuchten Hans-Hermann-Singers, die alles auf die Bühne bringen, von Operetten bis zu Seemannsliedern. "Bevor ich Finanzer wurde, habe ich fünf Jahre lang Musik studiert", verrät der Ostfriese.