Im Ameos Krankenhaus sollen auch künftig Kinder das Licht der Welt erblicken, eine Schließung der Geburtenstation ist nicht vorgesehen. Vielmehr wird nach Wegen gesucht, die Geburtenzahl von 300 im Haus zu erreichen.

Haldensleben l Was unter der Führung von Sana schon beschlossene Sache zu sein schien, ist nach dem Trägerwechsel für das Haldensleber Krankenhaus vom Tisch. "Es ist keine Schließung der Geburtenstation vorgesehen", versicherte Klinikdirektor Uwe Bauer beim jüngsten Hebammen-Treff im Haus. Vielmehr soll das Leistungsangebot des Krankenhauses ausgebaut werden. "Und dabei sind wir auch auf ihre Unterstützung angewiesen", wandte sich Bauer direkt an die Hebammen.

Erste Veränderungen hat es bereits gegeben. So ist das Krankenhaus von der Zertifizierung "babyfreundliches Krankenhaus" zurückgetreten. "Doch auch ohne Schild an der Tür werden wir die Arbeit so fortführen, wie wir sie in den vergangenen Jahren begonnen haben", machte Romy König deutlich. Denn die Zertifizierung habe keinen Geburtenvorteil gebracht, bilanzierte die Chefärztin, sondern eher großen Druck wegen der zu führenden Statistik. Dies bestätigte auch der Klinikdirektor: "Die Zertifizierung war mit viel Aufwand verbunden - bei geringem Erfolg." Doch zumindest einen Vorteil hat Romy König ausmachen können: "Das Team ist dadurch stärker zusammengewachsen."

"Alles, wo ,Uni` vorsteht, ist gefragt bei der Entbindung."

Hebamme Yvonne Cornelius

Darauf will die Chefärztin aufbauen. "Wir wollen nach Wegen suchen, wie wir die 300 Geburten ins Haus holen können", nannte sie das oberste Ziel für die Geburtenstation. 300 Geburten sind nach den Rahmenvorgaben der Krankenhausplanung Sachsen-Anhalts nötig, um eine Geburtsklinik am Leben zu halten.

Dass dies nicht einfach wird, machten die Hebammen deutlich. "Die Geburt wird heutzutage von den Frauen alles risikoreichstes Ereignis in ihrem Leben gesehen. Die Frauen gehen deshalb dorthin, wo sie komplett umsorgt sind mit Intensivstation, Kinderärzten und so weiter. Alles, wo ,Uni` vorsteht, ist gefragt bei der Entbindung", so die Erfahrung von Yvonne Cornelius. "Viele Frauen gehen zur Entbindung nach Magdeburg", bestätigte auch Romy König.

Wo es am Ameos Krankenhaus kränkelt, darüber konnten die Hebammen berichten, denn sie stehen mit den Frauen vor und nach der Geburt in engem Kontakt. So wurde beispielsweise kritisiert, dass die Geburtshilfe und die Urologie räumlich so dicht beieinander liegen. Patientenbegegnungen seien da an der Tagesordnung und würden von den Frauen als unangenehm empfunden. Erschwerend komme hinzu, dass die Hebammen auch auf der Urologie arbeiten, wenn sie im Kreißsaal nicht gebracht würden. Eine ihrer Hauptaufgaben dort: Urinbeutel entleeren.

Aus wirtschaftlichen Gründen seien die Stationen damals zusammengestutzt worden, erklärte Romy König dazu. Das jetzt noch einmal zu ändern, sei schwierig. "Für die kleine gynäkologische Station sind die Räumlichkeiten allein einfach zu groß", sagte sie. "Es hat sich nun einmal so entwickelt. Ich finde es auch nicht schön, aber wir werden es nicht zurückdrehen können", so die Chefärztin weiter.

"Wir wollen vom Babyschlafsack als Geschenk für die Neugeborenen wegkommen und stattdessen Babyschalen bereitstellen."

Klinikdirektor Uwe Bauer

Rein vom Gefühl her würde die Kinderstation natürlich besser zur Geburtstation passen als die Urologie, konnte die Chefärztin die Wunschvorstellungen der Frauen nachvollziehen. "Aber schon aus hygie- nischen Gründen ist das nicht möglich", verwies Romy König auf die ansteckenden Kinderkrankheiten, die dort behandelt werden.

In der Kritik der Frauen stünden auch die Honorarärzte, sprachen die Hebammen in der Runde an. Nicht immer würden sich die Frauen im Kreißsaal bei ihnen gut aufgehoben fühlen. Doch auch das soll geändert werden, wie Klinikdirektor Bauer sagte. "Wir wollen die Honorarärzte im Kreißsaal abbauen und stattdessen einen festen eigenen Stamm an Ärzten aufbauen", stellte er die Pläne der Klinikleitung vor. "Aber ohne Honorarärzte geht es zur Zeit noch nicht", ergänzte Romy König.

Es müsse stärker das Individuelle der Geburtenstation in den Vordergrund gestellt werden, schlug Yvonne Cornelius vor. Ein Schritt in diese Richtung sei die geplante Einrichtung eines Stillstübchens oder eines Stillcafés, meinte Romy König. Auch die Klinikleitung hat bereits Pläne, wie das Krankenhaus in Haldensleben für werdende Mütter an Attraktivität gewinnen könne. "Wir wollen vom Babyschlafsack als Geschenk für die Neugeborenen wegkommen und stattdessen Babyschalen bereitstellen", erklärte Uwe Bauer dazu. Darüber wird derzeit verhandelt, so dass eventuell ab April das neue "Willkommensgeschenk" vergeben werden könnte.