Etwa 250 Tieren bot das Wolmirstedter Tierheim in der Angerstraße im vergangenen Jahr Obdach. Für das Gros der Vierbeiner war es aber nur eine Zwischenstation. Doch vor allem bei den Hunden gibt es eine Vielzahl von Dauergästen, die oft Jahre auf ein neues, liebevolles Zuhause hoffen.

Wolmirstedt l Pünktlichen Feierabend kennt Nadine Horwitz nicht. Wie sie sagt, ist es mit vier Stunden, so wie es ihr Vertrag vorsieht, nicht getan. "Aber ich liebe Tiere und es gibt in meinem Job immer wieder Momente, die lassen die Mühen vergessen."

Die Leiterin des Tierheims hat auch gleich zwei Beispiele parat: "In den Winterferien schauten mit Lina Kratzenberg und Lina Schmidt jeden Tag zwei Gymnasiasten in der Angerstraße vorbei, die viel Herz nicht nur für Vierbeiner haben, und führten die herrenlosen Hunde Gassi. Oder nehmen wir Kristin Kuck. Die Frau reiste gestern Vormittag mit ihrer Tochter Luisa extra aus Heyrothsberge an, um mit einem Kater wieder die Heimfahrt anzutreten." Was Nadine Horwitz besonders freute, die Heyrothsbergerin kam bewusst nach Wolmirstedt, "weil sie viel Gutes über unsere Einrichtung erfahren hatte".

Die Tierheimleiterin weiß aber auch, dass das wirkliche (Tier)Leben etwas härter aussieht. "Katzen und Hunde machen den Großteil der Bewohner aus. Auch wenn sie in der Angerstraße gut untergebracht sind, ich denke, jedes Tier ist eines zu viel." Die Einrichtung besitzt 20 Hundezwinger und vier Katzenräume, dazu eine Kranken- und Quarantänestation extra für die Vierbeiner.

Wie Nadine Horwitz exakt weiß, wurden im vergangenen Jahr 69 Fundhunde im Tierheim aufgenommen. "Es geschieht aber auch hin und wieder, dass sie von ihren Besitzern hier abgegeben werden. Was uns aber traurig stimmt, dass der angeblich beste Freund des Menschen, wie vor wenigen Tagen erst in Elbeu geschehen, einfach ausgesetzt wird und noch dazu in einem schlechten gesundheitlichen Zustand ist. Wir, das ist versprochen, päppeln jeden dieser Hunde wieder liebevoll auf, in der Hoffnung, dass das Tierheim nur eine Zwischenstation ist."

Was für die Einrichtung spricht, 55 der entlaufenen Hunde konnten in den vergangenen zwölf Monaten neu vermittelt oder ihren Besitzern zurückgebracht werden. Problematisch ist die Situation bei den Katzen, von denen lediglich neun der 79 aufgefundenen Stubentiger ein neues Zuhause bekamen.

Nadine Horwitz lobt dennoch ausdrücklich die engagierte Arbeit ihrer Mitarbeiter des Tierheims, die über den Bundesfreiwilligendienst befristet eine Anstellung in der Angerstraße gefunden haben. "Dennoch würden wir uns über jede helfende Hand zusätzlich riesig freuen", hofft die Leiterin auf mehr Zuspruch aus der Bevölkerung, "denn es gibt viel zu tun, soll es den Tieren hier gut gehen."

Dabei denkt die Leiterin an die Hundezwinger, die dringend neue Dächer benötigen. Außerdem soll im Frühjahr der Teich auf der Anlage trockengelegt und damit mehr Platz für den Auslauf der Tiere geschaffen werden. "Doch ohne Sponsoren, uneigennützige Helfer und die Mitglieder des Tierschutzvereins, aber auch ohne die Geld- und Sachspenden sind die Arbeiten nicht zu bewerkstelligen."

Dass aber jeder einzelne Cent, der gespendet wird, in der Angerstraße gut angelegt ist, davon können sich die Wolmirstedter tagtäglich überzeugen, betont die Leiterin des Tierheims und gibt zusätzlich einen Termin vor: "Zum Welttierschutztag am 4. Oktober stehen in der Angerstraße alle Türen offen."

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