Fackeln, Funkenmariechen und Feuerwerk vermochten Wotan, den Donnergott, davon zu überzeugen, das Prinzenpaar für die Session 2014 freizugeben. Damit marschiert der Gutensweger Karneval seiner Hochsaison entgegen.

Gutenswegen l Ein mächtiges Spektakel lockte die Gutensweger am Freitag Abend aus den Häusern. Mit viel Hi-Hile, dem Schlachtruf der Gauseberger Jecken, ließ sich der Donnergott Wotan erweichen. Unter einem flammenden Tor übergab er das künftige Prinzenpaar dem närrischen Volk. Über dem Gauseberg stieg ein Feuerwerk in die Nacht, unten sangen hunderte Gutensweger den Schunkel-Song "Wir feiiiern Karneval, am Gauseberg...". Die Prinzengarde trug Fackeln und bildete ein Spalier für die Majestäten. Die Schalmeienkapelle spielte und "Obernarr" Marco Baumgarten forderte die Jecken immer wieder zu "Hi-Hile" auf. Die 59. Session des Karnevalsvereins "Rot-Weiß" ist entflammt.

Ralf Witlatschil füllt die Rolle des Wotan aus. Das siebte Jahr bereits. "Weil man dafür verrückt ist", lautet die Begründung des 32-Jährigen. Wer Gutensweger ist, feiere ohnehin Karneval, das ist so, darüber müsse man nicht reden, behauptet er, und beeilt sich, um im Fackelumzug Schritt zu halten. Der hat sich in Bewegung gesetzt, allen voran marschiert der ehrwürdige Elferrat. Dem folgt die Schalmeienkapelle und spielt Gute-Laune-Musik. Die Kinder der Kinderfeuerwehr tragen Laternen, die aussehen, wie rennende Gänse. Die selbstgebastelten Gänselaternen sind eine Hommage an den Gauseberger Karnevalsverein, denn Gauseberg heißt im Hochdeutschen Gänseberg.

Das Prinzenpaar wird erst am kommenden Sonnabend, 22. Februar, gekrönt und dennoch strahlten Christian Böttcher (35) und Stefanie Pinnecke (30) bereits sehr majestätisch.

Auf die beiden wartet eine aufregende Zeit. Thomas Bethge weiß, wovon er spricht. Er ist der Prinz, der am Sonnabend das Zepter weitergeben muss. Der Gutensweger denkt gern an den Beginn seiner Amtszeit mit Ehefrau Martina als Prinzessin an seiner Seite zurück. "Es war wie eine zweite Hochzeit." Er weiß aber auch, dass er die Aufgaben ohne die Hilfe des Vereins und von Freunden nicht bewältigt hätte. "Der Ausschank, das Wagenschmücken, das geht nicht allein."

Der Verein ist stark. Auf beinahe jeden, der in Gutenswegen geboren wird, wartet ein Leben als Jeck. "Wenn man hier aufwächst, geht das automatisch", sagt Ingo Schröder. Der 47-Jährige gehört seit seinem siebten Lebensjahr dazu, war 2003 Prinz und darf seither im Elferrat dabeisein. Er kümmert sich im Alltag um das Vereinshaus, in der Session steigt er als "Hausmeister" in die Bütt. "Die Vorlagen für die Reden bekomme ich von den Leuten im Ort", sagt er, "man muss ein Auge für das haben, was andere zum Lachen bringt."

Selina Gottschalk ist 13 Jahre alt und marschiert hinter dem Prinzenpaar. Sie und ihre gleichaltrige Freundin Lea Klitta sind vor fünf Jahren über die Schule zum Karneval gekommen. "Es macht einfach Spaß", ist ihre Motivation. Der 21-Jährigen Laura Stichnoth gefällt es vor allem in der Prinzengarde zu tanzen. "Seit September proben wir dafür", verrät sie.

Der lange Zug ist inzwischen bei der Feuerwehr angekommen. Unter lauten Böllerschüssen aus der Konfettikanone wird die rot-weiße Fahne gehisst. "Die bleibt bis zum Aschermittwoch hier oben am Mast", sagt Marco Baumgarten.

Dann geht es weiter. Das närrische Volk setzt sich wieder in Bewegung, diesmal zum Ziel des Abends , der Residenz des aktuellen Prinzenpaares, wo unter einem Zelt Getränke verkauft werden, das Feuer in den Feuerkörben flackert und die Schalmeienkapelle immer noch sehr munter spielt.

   

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