Der Kalimandscharo wächst unaufhörlich. Jährlich kommen über neun Millionen Tonnen Rückstände aus der Kaliproduktion auf die Halde. Spätestens im Jahr 2019 wird die derzeit genehmigte Haldenkapazität erschöpft sein. Gegen den Antrag des Kaliwerkes Zielitz auf eine Haldenerweiterung regt sich Widerstand in Heinrichshorst.

Zielitz/Heinrichshorst l Schon im Jahr 2011 informierte das Kaliwerk Zielitz bei einem so genannten Scooping-Termin die Träger öffentlicher Belange sowie Vertreter der Naturschutzverbände über die geplante Haldenerweiterung. "Wir haben kurz danach auch die Gemeinderäte der Anrainergemeinden informiert", betont Mirko Rüger, Leiter Kaufmännische Funktionen im Kaliwerk Zielitz. Das Vorhaben ist außerdem im Landesentwicklungsplan Sachsen-Anhalts beschrieben.

Geplant ist, die bestehende Halde zwei in nördlicher Richtung um etwa 200 Hektar zu erweitern. "Der behördlich vorgegebene Mindestabstand zur Wohnbebauung wird in jedem Falle eingehalten", so Mirko Rüger. Betroffen ist allerdings eine große Waldfläche.

Bergamt leitet Verfahren

Verfahrensführer des Genehmigungsverfahrens ist das Bergamt. "Erfahrungsgemäß dauert ein so umfangreiches Genehmigungsverfahren mehrere Jahre", so Mirko Rüger, "zahlreiche externe Gutachten sind notwendig, eine Umweltverträglichkeitsprüfung wird durchgeführt."

Deshalb sei die geplante Haldenerweiterung noch Zukunftsmusik. Wenn ab 2019 mit dem Aufschütten der Produktionsrückstände auf die erweiterte Haldenfläche begonnen werde, sei man erst im Jahr 2040 am nördlichen Rand angelangt, so Rüger.

Für die zugeschüttete Waldfläche sind erhebliche Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen erforderlich. "Wir werden mindestens das Doppelte der betroffenen Waldfläche wieder aufforsten müssen", informiert Ines Feldberg von der Umweltabteilung des Zielitzer Kaliwerkes.

Doch das beruhigt die Bewohner von Heinrichshorst nicht. Sie sehen ihre Idylle mitten im Wald gefährdet. "Wir sind von Belgien hierher gezogen, weil wir uns in dieser herrlichen Gegend wohlfühlen und uns in das Schloss verliebt haben", sagt Dirk Standaert. Seine Frau, die international bekannte Aktionskünstlerin Viona, veranstaltet in dem früheren Jagdschloss Events mit Gästen aus aller Welt. "Sie kommen aus ganz Europa, ja sogar aus Australien oder Hawaii hierher, weil sie hier ein wunderschönes Fleckchen Erde vorfinden. Das soll jetzt alles zerstört werden?", zeigt sich Dirk Standaert schockiert.

Die junge Familie hatte vor etwa eineinhalb Jahren ihren Lebensmittelpunkt nach Heinrichshorst verlegt und bemüht sich seitdem mit großem finanziellen Aufwand darum, das märchenhafte Schloss zu erhalten und teilweise zu sanieren.

"Wir wollen mit all unseren Möglichkeiten verhindern, dass die Kalirückstände fast bis vor unsere Türschwelle gekippt werden", verspricht Dirk Standaert im Namen der etwa 20 Heinrichshorster. Im sozialen Netzwerk Facebook hat er bereits einen Petitionsaufruf gegen das Vorhaben gestartet. "Bislang haben mehr als 1600 Menschen unterschrieben", berichtet Standaert.

Aufhaldung ohne Alternative

Für Mirko Rüger ist die Aufhaldung von Rückständen und damit die geplante Haldenerweiterung alternativlos. "Daran hängen nicht nur die Arbeitsplätze der knapp 2000 Kaliwerker und der 128 Auszubildenden, sondern auch weitere über 4000 indirekte Arbeitsplätze in der Region." Das Kaliwerk sei ein echter Partner der Region und stärke mit seinen Gewerbesteuern die Gemeinden im Umfeld. "Aus meiner Sicht ist die einseitige Darstellung im Internetaufruf unverfroren, weil sie nicht auf die vielen Tausend Arbeitsplätze eingeht", erregt sich Klaus Krüger, Vorsitzender des Gesamtbetriebsrates der K+S-Gruppe.

"Der Erhalt der Arbeitsplätze ist uns genauso wichtig wie der Umweltschutz", erklärt Linda Blankenburg, eine der Bewohnerinnen von Heinrichshorst. "Wir stehen in Kontakt mit Experten, die uns bestätigt haben, dass es Alternativen gibt, den Wald zu erhalten, ohne Arbeitsplätze zu gefährden." Das sei allerdings mit höheren Produktionskosten verbunden, sagt sie, ohne allerdings Einzelheiten zu nennen.

Gesprächsbereitschaft besteht

Sowohl das Kaliwerk, als auch die Heinrichshorster wollen die Tür nicht zuschlagen, die bei einem Informationsgespräch in der vergangenen Woche geöffnet wurde. "Wir bieten weitere Gespräche an", macht Mirko Rüger die Position des Kaliwerkes deutlich.

"Wir werden Vorschläge unterbreiten, wie man bei Erhalt der Arbeitsplätze und der Natur die geplante Haldenerweiterung vermeiden kann", sagt Dirk Standaert, "die kostengünstigste Option ist nicht immer die Beste."