Nach der ausgelassenen Faschingszeit folgt das siebenwöchige Fasten. In der Kindertagesstätte "Gut Arnstedt" in Barleben erinnerte man sich an diesen christlichen Brauch und übt seit 2013 in dieser Zeit Enthaltsamkeit.

Barleben l "Enhaltsamkeit ist vielleicht das falsche Wort", erläutert Einrichtungsleiterin Nancy Altus. "Bis Ostern herrscht in unserer Einrichtung spielzeugfreie Zeit." Und die Kinder können offensichtlich gut damit leben, haben in der vergangenen Woche eifrig mit zugepackt und das Spielzeug verstaut. Am vergangenen Donnerstag verschwanden nach und nach Bagger und Polizeiauto in großen Plastiksäcke, wurden zudem Spiele und Puppen auf dem Dachboden gelagert.

"Da bleibt es bis zum 22. April", sagt die Einrichtungsleiterin, "wenn schon nicht Fasten, so aber ist Enthaltsamkeit in Sachen Spielzeug angesagt." Zuvor war noch einmal Faschingsparty angesagt, wurde ausgelassen gespielt, bevor die Kinder nun bis Ostermontag ohne ihre geliebten Spielsachen auskommen müssen. Nancy Altus erklärt, dass diese Entscheidung nicht allein getroffen wurde: "Die Fastenzeit bietet uns Gelegenheit, inne zu halten. Wir wollen den Kindern dann die Zeit bieten, ihre Fantasie anzuregen, so dass sie sich auszuprobieren können und kreativ werden."

Wie die Einrichtungsleiterin verrät, sind nicht alle Spielzeuge "entsorgt": "Funktionsspielzeug wie Bausteine oder Materialien zum Basteln sind jederzeit griffbereit." Auch ihre liebsten Bücher mussten die Kinder für diese Zeit nicht aus der Hand legen. Wer aber in diesen Tagen beispielsweise mit einem Schiff spielen möchte, der muss sich eins bauen. Und genau das haben die Kinder getan - aus Papprollen und mit noch mehr Begeisterung.

Für die Kindertagesstätte, die auch religionspädagogisch ausgerichtet ist und zur Kita-Gesellschaft der Bodelschwingh-Haus-Wolmirstedt-Stiftung gehört, ist die spielzeugfreie Zeit bis Ostern schon längst kein Experiment mehr.

"Wir haben den Eltern vor zwei Jahren die Idee präsentiert und gemeinsam entschieden, dass wir es 2013 erstmals angehen", sagt Altus. Und das Fazit nach sieben Wochen war überaus verheißungsvoll. "Denn die Kinder entwickelten in dieser Zeit gemeinsam Ideen und setzten sie um, stellten so ihr eigenes Spielzeug her.

Heute, wie aber auch 2013, haben die Eltern unzählige Materialien zum Basteln und Werken beigesteuert, die die Jungen und Mädchen selbst bestimmen durften. Papprollen, Kartons, Schwämme, Becher, selbst Wolle, Knöpfe, Holz und Filz bereicherten die Palette.

Übrigens, die etwas anderen Spielsachen werden nach Ostern in einer kleinen Ausstellung zu sehen sein. Und das Projekt, da ist man sich in der Kita recht sicher, wird auch in Zukunft eine feste Größe im Kalender der Einrichtung sein. "Wir sind daher auch diesmal fast täglich mit den Eltern im Gespräch", so die Kita-Leiterin, "natürlich erhoffen wir uns viele Rückmeldungen, um das Projekt weiter zu etablieren."

Dienstag nach Ostern bekommen die Kinder nach und nach ihr Spielzeug zurück. "Allerdings nicht jedes", wie Nancy Altus weiß, "weil manches alte, unvollständige Spielzeug bis dahin für immer aussortiert sein wird". Aber es muss keines der Kinder traurig sein, denn am 22. April gibt es ein Fest. Und so viel sei verraten: Spielsachen wird es an diesem Vormittag auch geben.

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