Die A14-Nordverlängerung wird die grünste Autobahn Deutschlands. Der Aufwand für Arten-, Umwelt- und Naturschutz war noch bei keiner Neubaustrecke so groß. Uneinsichtige Zeitgenossen gefährden allerdings den Erfolg einiger Maßnahmen.

Colbitz l Seit 2001 wird bei Colbitz am ersten Abschnitt des A14-Lückenschlusses gebaut. Noch in diesem Jahr soll der Verkehr auf der fünfeinhalb Kilometer langen Strecke rollen und damit Colbitz vom Durchgangsverkehr entlasten.

Auch an diesem ersten Bauabschnitt wird viel für den Umweltschutz getan. Während die 30 Meter breite Fledermausbrücke in aller Munde ist, werden an anderen Stellen fast unbemerkt neue Lebensräume für bedrohte Arten geschaffen. So ist aus der ehemaligen Kiesgrube des Hartsteinwerkes am Lindhorster Berg ein naturnahes Biotop geworden.

"Fahrzeugspuren lassen vermuten, dass die Verursacher Quadfahrer waren."

"Hier sollen sich der Bienenfresser oder die Krenz-, Knoblauch- und die Erdkröte wohlfühlen", informiert Andreas Dörter, Sachbearbeiter für Landschaftspflege und Umweltschutz bei der Landestraßenbaubehörde (LSB). Doch die Idylle wird des Öfteren nachhaltig gestört.

"Wir haben zahlreiche Beschädigungen feststellen müssen", ärgert sich Peter Lotze, Fachbereichsleiter Planung und Entwurf bei der LSB, "Fahrzeugspuren lassen vermuten, dass die Verursacher Quadfahrer waren." Die bislang noch unbekannten Fahrer sind mit ihren geländegängigen Maschinen beispielsweise an den künstlich angelegten Steilhängen entlanggefahren. "Aber genau dort soll der Bienenfresser seine Nistplätze einrichten", schimpft Andreas Dörter.

Doch damit nicht genug. Die Fahrzeuge sind auch über die Uferzonen des Teiches gerast, der extra als Laichgewässer für Amphibien, wie die Krenz-, die Knoblauch- und die Erdkröte, angelegt worden ist. "Dafür haben wir in die Kiesgrube eine Schicht eines Spezialtones eingebracht, damit sich das Wasser dort sammeln und sich ein Gewässer bilden kann", erläutert Peter Lotze. Die Fahrzeuge haben aber nicht nur die Tonschicht im Uferbereich zerfahren. Offensichtlich ist eines der Fahrzeuge eingesackt und wurde mit allen möglichen Mitteln wieder freigeschleppt. Auch dabei sind erhebliche Schäden entstanden.

Auf Unkenntnis können sich die unbekannten Vierradfahrer dabei nicht berufen. Das gesamte Gelände ist eingezäunt. Ein Schild weist darauf hin, dass es sich um ein Betriebsgelände der Landesstraßenbaubehörde handelt. Doch die Täter zerstörten ohne Gewissensbisse das Tor zur Zufahrt auf das Gelände.

Alle Polizeidienststellen nehmen Hinweise entgegen

"Wir haben Anzeige bei der Polizei erstattet", so die beiden Behördenmitarbeiter. Sie bitten die Bevölkerung um Mithilfe. Auch die Untere Naturschutzbehörde wurde informiert. "Wer Beobachtungen gemacht hat, kann sich an jede Polizeidienststelle wenden", sagt Peter Lotze. Sollten die Verursacher der Schäden gefasst werden, wartet auf sie eine saftige Schadenersatzklage. "Allein der Spezialton für die Gewässerabdichtung ist sehr kostenintensiv. Außerdem wird eine neue massive Zufahrt rund 40000 Euro kosten", rechnet Andreas Dörter vor.

Der Kostenfaktor ist aber nur die eine Seite. "Viel schlimmer ist, dass die Verkehrsfreigabe des Autobahnabschnittes gefährdet ist", macht Peter Lotze deutlich, "denn diese Artenschutzmaßnahme muss bis zur Verkehrsfreigabe wirksam werden."

Bilder