Bei einem Tag der offenen Tür konnten sich Besucher von der Arbeit in der Werkstatt für behinderte Menschen im Handwerkerring überzeugen. Die 50 Mitarbeiter produzieren für namhafte Firmen.

Wolmirstedt l Nicole Nickel (40) schaut konzentriert auf ein schwarzes Netz. Das soll später in einen Helm eingesetzt werden, den ein Soldat der Bundeswehr tragen wird. Nicole Nickel knüpft jeden Tag rund 40 solcher Netze. "Die Arbeit mach Spaß", sagt sie.

In der Werkstatt für behinderte Menschen im Handwerkerring arbeiten rund 50 Mitarbeiter für den Helmhersteller Schubert, für Enercon oder die Abfallentsorgungsgesellschaft "Untere Ohre". "Unsere Werkstatt ist längst ein Partner der Industrie geworden", sagt Nadine Stegert vom begleitenden Dienst. Sie sorgt unter anderem dafür, dass die Werkstatt Aufträge bekommt und auch dafür dass sich die Mitarbeiter wohl fühlen. "Niemand darf unter- oder überfordert werden", betont sie, "auch wenn wir so wie andere Unternehmen arbeiten, versuchen wir doch Stress zu vermeiden."

Das gefällt Sören Hinze, der zurzeit noch die elfte Klasse der Gerhard-Schöne-Schule besucht, eine Schule für Geistigbehinderte. Er ist zwar beim Tag der offenen Tür nicht dabei, aber seine Mutter Cordula Hinze und die Oma Heidrun Kramer schauen sich die Werkstatt genau an. "Mein Enkel hat hier schon ein Praktikum absolviert und möchte nach der Schule unbedingt hier arbeiten", sagt die Großmutter. Nach dem Rundgang durch die verschiedenen Produktionsbereiche gefällt ihnen die Idee des Enkels gut. "Auf dem ersten Arbeitsmarkt wird es für ihn ohnehin schwierig", sagt Cordula Hinze.

Matthias Behrens, Geschäftsführer der Werkstätten, ist stolz auf die Mitarbeiter, weil sie trotz ihrer Behinderung sehr anspruchsvolle Aufgaben meistern. Sie fertigen Wasserpumpeneinheiten, Lattenroste, Bocksprungbetten und zerlegen Elektroschrott in seine wiederverwertbaren Einzelteile.

Simone Mattern fertigt Widerstände für Windräder. "Die Arbeit gefällt mir gut", sagt die junge Frau. Würde sie eines Tages beispielsweise lieber nähen wollen, könnte sie wechseln. "Wir schauen, wo sich unsere Beschäftigten wohl fühlen und wofür sie geeignet sind", sagt Nadine Stegert, "außerdem ist es wichtig, dass die Mitarbeiter in verschiedenen Bereichen eingesetzt werden können, damit wir Produktionsspitzen auffangen können."

In der Werkstatt für Behinderte können die Beschäftigten nach einer zweijährigen Berufsbildung vom 18. Lebensjahr bis zur Rente arbeiten und werden dabei von Gruppenleitern betreut. Eine weitere Werkstatt unterhält das Bodelschwingh-Haus mit rund 120 Beschäftigten in der Angerstraße. Dort gibt es unter anderem eine Wäscherei und eine Großküche.

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