Meitzendorf l Die Sonne zeigte sich, als sich am Sonnabend pünktlich um 11 Uhr der Festumzug in Bewegung setzte. Er begeisterte Hunderte Zuschauer entlang der Straße mit seinen 13 historischen Bildern, die die 1075-jährige Geschichte von Meitzendorf im Zeitraffer darstellte. Angetreten mit der ganzen Familie, ausgerüstet mit Fotoapparaten harrten sie an der Feststrecke aus, wichen keinen Schritt, bis der festliche Umzug, nachdem er unter Beifall einmal das Dorf umrundet hatte, in die Neue Bahhofsstraße auf die Festwiese einbog.

"Schon allein dafür hat sich der gewaltige Aufwand gelohnt", zeigte sich Wolfgang Buschner , der den (größten) Hut für den Festumzug aufhatte, sehr zufrieden. Wie er ausdrücklich betonte, hat sich fast jede Meitzendorfer Familie eingebracht, "waren weit über 250 Teilnehmer auf den Beinen, um den Meitzendorfern, aber noch mehr ihren Gästen nicht nur aus Ebendorf und Barleben die eindrucksvolle Geschichte zwischen 939 und 2014 in 13 aufwändigen Bildern vor Augen zu führen."

Auch wenn die Zeitsprünge, was bei 1075 Jahren auch nicht verwundert, zum Teil gewaltig waren, blieb dennoch im Umzug kein nennenswertes Ereignis auf der Strecke. Auch wenn die Meitzendorfer es Kaiser Otto I. zu verdanken haben, dass ihr Ort auf der Landkarte erschien, das erste Bild erinnerte an den Ort als Fischerdorf. In dem sich später die Bewohner der Landwirtschaft verschrieben. Erst dann folgte das gekrönte Haupt hoch zu Ross mit seiner Kaiserin des Herzens, Editha.

Was den "Jahrtausendweg" so besonders machte: Exakt auf einzelne Jahreszahlen eingehend hatten sich Hausdamen, Bäckerburschen, Feuerwehrleute oder Umsiedler eingereiht. Das war es noch nicht. Diplomlehrer Peter Aschmann, ein profunder Kenner der Geschichte von Meitzendorf, moderierte den Festumzug.

So erfuhren die Besucher mit jedem Bild, dass Michotandorp, so der ursprüngliche Name, eine bewegte Geschichte hat. Als nämlich 1681/82 die Pest in Meitzendorf herrschte, wurde eine der Kirchenglocken verkauft, um zu helfen. Für dieses gelungene Bild bauten die Mitglieder des Heimat- und Geschichtsvereins eine (fast) originalgroße Glocke nach. Die zweite folgenschwere Katastrophe traf den Ort am 6. August 1727, als Meitzendorf fast komplett abbrannte. Nicht unerwähnt blieb in einem farbenprächtigen Umzug, dass Napoleon und seine Armee den Ort nicht verschonte. Zwischen 1830 und 1844 erreichte die Industrialisierung dann auch Meitzendorf. Dies setzte Familie Möhring unter anderen mit einem Modell der Zuckerfabrik gekonnt ins Bild. Nicht unerwähnt blieben die erste Eisenbahnstation, die am 16. Dezember 1872 eingeweiht wurde. Ebenso die Gründung der Feuerwehr im Jahre 1872. Auch die Jahre bis 1945 wurden nicht ausgespart. Was folgte, war die Geschichte der ehemaligen DDR. Doch kein Jahrtausendweg ohne Technik. So wie in vielen Orten der Börde fuhr die Freiwillige Feuerwehr auf, künden heute moderne Landwirtschaftsfahrzeuge von der neuen Zeit. Das Ende des Umzuges war zugleich Beginn eines Volksfestes, bei dem man nur strahlende Gesichter sah.

   

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